Wolford-Wäsche, Catwoman und Schaumgespenst

9. Juli 2004, 11:46
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Die spritzige Gruppe Superamas mischt unsere Konzern- und Warenwelt genüsslich auf

Es gibt eine Verbindung zwischen dem renommierten britischen Komponisten Sir Peter Maxwell Davies und der rasant aufstrebenden österreichisch-französischen Performancegruppe Superamas. Auf die Frage, ob er auch den Eindruck habe, dass Politiker kaum noch auf Protestbewegungen reagierten, lacht der 69-jährige Musiker und meint: "Sie reagieren auf gar nichts mehr!" Die gut 35 Jahre jüngeren Mitglieder von Superamas teilen diese Erkenntnis.

Die Stücke, Installationen, Filme und Fotoromane von Superamas sind allesamt choreografische Werke und hochpolitisch. Das Kollektiv, dessen Kontributoren allesamt nicht namentlich genannt werden wollen - "wir sind alle oder niemand" -, nutzt allerdings formale Strategien, die nichts mehr mit jenen der Political Correctness der guten alten Sixties zu tun haben. Superamas ist spritzig, ironisch, im übertragenen Sinn überaus tänzerisch (wirklich getanzt wird kaum) und perfekt in intellektuellen Statements.

Die Materialien für seine Kunstwerke fischt Superamas aus den gewaltigen Bassins der Medien und des sozialen Lebens. Videoclips werden nachgetanzt, Soap-Operas simuliert, Go-Go-Tänzerinnen engagiert, eine (echte) Stewardess, Elisa Benureau, spielt Catwoman und gibt als sanft-sadistische Domina Behandlungen in Entspannungstechnik.

Fetische und Godard

Catwoman ist eine Protagonistin in Superamas' jüngstem Coup, Big, 2nd episode (show/ business), der jüngst in Brüssels angesagtester Choreografiefabrik, der Beursschouwburg, Premiere hatte. "Ein Meisterwerk", schwärmt Belgiens Reich-Ranicki der Tanzkritik, Peter T'Jonck. In Europas Mekka der Tanzavantgarde fällt der Blick auf Österreich, was vor kurzem noch undenkbar schien. Neben der heimischen Erstaufführung von Big 2 zeigt ImPulsTanz auch eine Wiederaufnahme der Vorgängerarbeit, Big, 1st episode (reality show/artificial intelligence).

Hier wie dort werden Bilder umgedeutet, wird Werbung gegen sich selbst gewendet, gerät die Frage nach dem "Wahren" zum Fraktal im Selbstähnlichkeitsgesumme der PR-Wirtschaft. Die kapitalistische Wahnwelt wird als Lächerlichkeit sine qua non vorgeführt. Jeglicher Manager-Fetischismus wird schick in Wolford-Unterwäsche gepackt, mit Jean-Luc Godard oder Adorno eingeseift und bleibt als bläschenwerfendes Schaumgespenst sitzen.

Sir Davies hat sich noch in der großen Londoner Demonstration gegen den Irakkrieg in die erste Reihe gestellt. Superamas fachen vor der fatalen Spaßkultur eine Feuersbrunst des Gegenwitzes an. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

Von
Helmut Ploebst

"Big 2"
am 11. 7.
"Big 1"
am 7. 8.
im Arsenal
jeweils 18 Uhr
  • Ein junger Mann (nicht im Bild) genießt wertvolle Entspannungsübungen, die ihm diese von Superamas berufene Fachfrau angedeihen läßt.
    foto: superamas

    Ein junger Mann (nicht im Bild) genießt wertvolle Entspannungsübungen, die ihm diese von Superamas berufene Fachfrau angedeihen läßt.

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