TUI plant Kooperation mit Air Berlin

18. Juli 2004, 18:10
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Pläne für Übernahme von Air Berlin verworfen - Keine Auswirkung auf Air Berlin-Partner "Niki"

Hannover/Wien - Europas größter Touristikkonzern TUI plant eine Kooperation mit der deutschen Billigfluggesellschaft Air Berlin, die bereits mit Niki Laudas Fluglinie "Niki" zusammenarbeitet. Eine Beteiligung sei aber nicht angestrebt.

"Es gibt entsprechende Pläne, die Flugpläne unserer Fluggesellschaft Hapag-Lloyd Flug (HLF) und von Air Berlin miteinander abzustimmen", sagte ein TUI-Sprecher am Montag und bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" von heute.

Flächendeckende Vereinbarung

Eine solche flächendeckende Vereinbarung wäre in der Branche einmalig, hieß es. Danach soll in der kommenden Wintersaison HLF vorrangig die längeren Strecken zu den Kanarischen Inseln und nach Ägypten bedienen. Air Berlin soll vor allem die Balearen, das spanische Festland und Portugal anfliegen.

In Branchenkreisen hieß es, TUI erhoffe sich aus einer solchen Allianz Wettbewerbsvorteile. Ziel sei es, den Kunden mehr Flüge anzubieten und die Auslastung der Maschinen zu erhöhen.

Ziel sei, voraussichtlich schon für die am 1. November beginnende Wintersaison, Flugstrecken sinnvoll abzustimmen und aufzuteilen. Mit der Kooperation wollen TUI und Air Berlin ihre eigenen Flugzeuge besser auslasten und zudem der Konkurrenz der Billiganbieter Ryanair und Easyjet begegnen.

Massive Attacke

Easyjet stieg vor gut zwei Monaten mit einer massiven Attacke am deutschen Markt ein. Derzeit gibt es vor allem Streit um eine mögliche Ansiedlung von Easyjet am Flughafen Hannover. TUI mit seinen beiden Fluggesellschaften HLF sowie Hapag-Lloyd Express sowie Air Berlin und German Express haben mit einem Rückzug gedroht, wenn auch Easyjet von Hannover aus startet.

Auf die Airline "Niki", an der Air Berlin 24 Prozent hält, und Flüge ab Österreich hat die Kooperation zumindest vorerst keine Auswirkungen. "Das ist eine rein deutsche Angelegenheit", sagte der frühere Formel I-Weltmeister Niki Lauda am Montag.

Laudas im vergangenen Herbst gegründete Airline werde weiter Charterflüge sowohl für TUI als auch für Neckermann durchführen. Eine Ausweitung der Kooperation auch auf "Niki" sei derzeit nicht aktuell, sagte Lauda.

Annäherung

TUI und Air Berlin hatten sich im vergangenen Jahr bereits bei einzelnen Projekten angenähert, wie etwa bei der Wartung von Maschinen oder bei Flugplänen an einzelnen Flughäfen.

Air Berlin war in den vergangenen Jahren als besonders preiswerter Anbieter sowohl bei Ferienflügen als auch beim Linienverkehr die erfolgreichste deutsche Fluggesellschaft und zur Nummer zwei nach Lufthansa im deutschen Markt aufgestiegen.

Am Wiener Flughafen hat sich Air Berlin hinter der marktbeherrschenden Austrian Airlines-Gruppe und der Lufthansa bereits auf Rang 3 der wichtigsten Airlines ab Wien vorgearbeitet.

Druck durch Easyjet

Allerdings gerät Air Berlin seit dem Einstieg von Easyjet in Deutschland in diesem Sommer mit teilweise gleichen Angeboten unter Druck. Auch TUI fürchtet die ausländische Konkurrenz. Verschärft wird der Wettbewerb durch zusätzliche Billigstrategien deutscher Fluggesellschaften, wie etwa der Condor.

Die TUI-eigene Billigflugtochter Hapag-Lloyd-Express (HLX) ist nach Angaben der "Hannoverschen Allgemeinen" nicht in die Kooperationspläne einbezogen. Auch HLX hatte zuletzt Urlauber des TUI-Konzerns nach Mallorca geflogen.

Keine Übernahme

Eine finanzielle Beteiligung an Air Berlin oder gar eine Übernahme schließt TUI aus. "Wir streben keinerlei unternehmensrechtliche Verbindung an", sagte der TUI-Sprecher. Allerdings hatte TUI Branchenkreisen zufolge vor einiger Zeit eine Übernahme von Air Berlin erwogen und intern auch intensiv geprüft.

Die Pläne wurden den Angaben zufolge allerdings wieder verworfen. Air Berlin erwog daraufhin mittelfristig einen Börsengang. Auch dies ist allerdings wieder offen. (APA/Reuters/dpa)

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