Banken stellen Kredit fällig

20. Juli 2004, 10:53
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Ein westliches Bankenkonsortium hat einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Dollar fällig gestellt - Auch Aktionäre halten sich nicht mehr zurück

Der russische Ölkonzern Yukos kommt nun auch von Bankenseite zusehends unter Druck. Ein westliches Bankenkonsortium unter Führung der Société Générale hat die Rückzahlung eines Kredites in der Höhe von einer Milliarde Dollar (823 Mio. Euro) verlangt.

Damit können nun Verzugszinsen und auch Schadenersatz problemlos eingefordert werden, der Zugriff auf langfristige Ölexportkontrakte ist vertraglich garantiert.

Weitere Banken könnten folgen

Andere Gläubigerbanken könnten folgen und in diesen Tagen ebenfalls formell den Verzug bei Kreditrückzahlungen erklären, berichtete das russische Wirtschaftsblatt Vedomosti am Montag. Den Banken sei bewusst geworden, dass der russische Staat sein erfolgreichstes Privatunternehmen auch weiterhin nicht schonen werde.

Tatsächlich glaubt so gut wie niemand mehr an eine Rettung von Yukos. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Ölgesellschaft des inhaftierten Michail Chodorkowski gezielt in den Bankrott getrieben und der Kreml alsbald einen genehmen Eigentümer an die Konzernspitze setzen wird.

Auch Aktionäre beginnen aktiv zu werden. Wie nun bekannt wurde, hat eine Gruppe von Minderheitsaktionären am Freitag in New York eine Kollektivklage gegen die Besitzer und Manager von Yukos wegen künstlicher Preisüberhöhungen beim Aktienverkauf und Falschauskunft über die tatsächliche Situation des Konzerns im Vorjahr eingereicht.

Investmentfonds als Bittsteller

Einen anderen, nämlich den Weg des Bittstellers gingen zwölf Investmentfonds, die rund fünf Prozent an Yukos halten: In einem Brief an Putin ersuchen sie, bei der Abrechnung des Staates mit den Yukos-Hauptaktionären nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Infolge der Kreditrückforderungen setzte die russische Börse am Montag ihre Talfahrt fort. Umso mehr ließ aufhorchen, als Merrill Lynch plötzlich die Empfehlung abgab, Yukos-Aktien aufzukaufen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Herabstufung des Konzerns mit einer hohen Bankrottwahrscheinlichkeit begründet.

Appell an Putin

Aus Sorge um ernsthafte Folgen für Russlands Wirtschaft appellieren angesehene Finanzfachleute an Putin, die Welle der Attacken gegen Yukos zu stoppen. Erst am Samstag hatten Ermittler Dokumente und Computer aus der Zentrale des Konzerns beschlagnahmt.

Dem ging ein Gerichtsentscheid voraus, der das Einfrieren mehrerer Yukos-Konten für rechtmäßig erklärte - was wiederum zur Folge hat, dass der Konzern die Steuernachforderungen von 5,6 Mrd. Euro, von denen die Hälfte noch in dieser Woche fällig ist, nicht erfüllen kann. (DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2004)

Eduard Steiner aus Moskau

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