Im Pyjama den Traumpartner finden

9. Juli 2004, 20:33
12 Postings

Immer mehr Partnersuchende hoffen auf die Hilfe von Online-Börsen - Psychologin Sabine Wery im Interview über Online-Dates und digitale Körbe

Nach einer deutschen Studie nutzen 45 Prozent der Singles das Internet für die Partnersuche. Sabine Wery sitzt an der Telefon-Hotline einer der größten deutschsprachigen Partneragenturen. Hier suchen Singles aller Alterstufen und Schichten "ernsthaft" nach einem Partner für´s Leben.

derStandard.at: Sie sind Diplom-Psychologin und Mitglieder-Coach bei einer großen seriösen Partneragentur. Wer sucht einen Partner im Internet?

Sabine Wery: Der Kern der Mitglieder unserer Partnerbörse ist etwa zwischen 30 und 55 Jahre alt. Die älteste Partnersuchende, die mich um Rat bat, war 68 Jahre alt. Der Frauen- und Männeranteil ist ungefähr gleich groß.

derStandard.at: Wie läuft eine Kontaktaufnahme über das Internet ab?

Sabine Wery: Zuerst füllt man einen Test aus, bei dem man seine Interessen und individuellen Eigenschaften definiert. Nach der Auswertung des Test wird ein persönliches Profil erstellt, der Suchende erhält einige anonyme Partnervorschläge. Wenn ein interessanter Vorschlag dabei ist, raten wir unseren Kunden, sich zuerst über E-Mail-Kontakt zu "beschnuppern". Nach sechs bis zehn Mails folgen einige Telofonate, bei weiter bestehendem Interesse trifft man sich - am besten erstmals tagsüber.

derStandard.at: Mit welchen Problemen melden sich die Suchenden bei Ihnen?

Sabine Wery: Anfangs sind unsere Kunden sehr oft unsicher, wie sie sich im Internet präsentieren sollen. Es ist gar nicht so einfach, sich in wenigen Sätzen treffend zu beschreiben. Häufige Fragen zu Beginn einer Suche sind deshalb: "Wie komme ich am besten an?", "Soll ich von Beginn an ein Foto online stellen", "Was soll oder darf ich von mir preisgeben?". Oft werden wir auch gefragt, wie man Ablehnung am Besten formuliert.

derStandard.at: Warum sucht man überhaupt über das Internet?

Sabine Wery: Der große Vorteil ist, dass man vorerst in Deckung bleiben kann, man entscheidet selbst, wann man seine Anonymität aufgibt. Außerdem ist der Aufwand geringer, als bei der Suche „in freier Wildbahn“. Man kann unfrisiert und im Schlafanzug vor dem Computer sitzen und mögliche Partner auswählen. Und das eigenbestimmt und ohne die Gefahr, gleich einen Korb zu kassieren. Das Risiko, abgelehnt zu werden, ist zwar auch bei der Online-Suche vorhanden, der Suchende kann sich jedoch leichter darauf einstellen.

derStandard.at: Wie unterscheidet sich das Suchverhalten von Männern grundsätzlich von dem der Frauen?

Sabine Wery: Grundsätzlich ist zu beobachten, dass Männer viel forscher vorgehen und relativ hohe Ansprüche stellen. Ihre Hemmschwelle, auch gleich Bilder ins Netz zu stellen, ist weit niedriger als bei Frauen. Männer melden sich seltener beim Support. Wenn sie allerdings bei uns anrufen, dann lassen sie sich meist über einen längeren Zeitraum beraten und holen bei jedem weiteren Schritt Feedback ein.

derStandard.at: Welcher Typ Mann, welcher Typ Frau ist Ihrer Erfahrung nach am gefragtesten?

Sabine Wery: Frauen suchen unabhängig vom Alter großzügige, aktive und autarke Männer. Ältere Männer suchen oft nach versorgenden Frauen, erfolgreiche Männer wollen Karrierefrauen, die aber zu Hause trotzdem den ausgleichenden Part spielen. Attraktivität ist für Männer wichtiger als für Frauen. Die gleichen Tendenzen also, wie in der "freien Wildbahn".

derStandard.at: Ist die Versuchung nicht sehr groß, sich im Internet selbst glanzvoller darzustellen, als man das in Wahrheit ist?

Sabine Wery: Ja, natürlich. Viele schwindeln beim Alter und beim Aussehen. Mütter und Väter unterschlagen ihre Kinder, vor allem Männer täuschen ein höheres Einkommen oder einen angeseheneren Beruf vor. Wir versuchen in solchen Fällen natürlich Mut zur Wahrheit zu machen, auf Etikettenschwindel lassen sich keine Partnerschaften gründen.

derStandard.at: Was ist das Schwierigste in Ihrem Job als Beraterin?

Sabine Wery: Es ist sehr schwierig, sich nicht einzumischen. Oft begleite ich die Suchenden über einen längeren Zeitraum und erfahre so sehr viel über ihre Person. Da suchte unlängst eine quirrlige ältere Frau einen Partner, von dem sie sehr genaue Vorstellungen hatte. Ich hatte jemandem im Kopf, der exakt zu ihr passen würde, doch wir beraten nur, wir kuppeln nicht.

derStandard.at: Bekommen Sie eigentlich nur "seriöse" Anfragen?

Sabine Wery: Nicht nur, aber richtig schmuddelige Anfragen bekomme ich nicht. Vor kurzem rief mich eine ältere Dame an und fragte, ob man über uns einen Liebhaber finden könne, ihr Seitensprungpartner habe leider geheiratet.

derStandard.at: Wie hoch ist die Chance, tatsächlich einen Partner zu finden?

Sabine Wery: Es existieren keine genauen Zahlen. Aber Mitglieder, die sich bei uns abmelden, werden automatisch nach dem Grund gefragt. 40 Prozent sagen, dass sie jemanden über uns gefunden haben.

Zur Person: Sabine Wery v. Limont wurde am 01.11.1957 in Hamburg geboren und studierte dort Betriebswirtschaftlehre zum cand. rer. pol. und Psychologie. Neben der Tätigkeit als Coach arbeitet Sabine Wery v. Limont als freiberufliche Psychotherapeutin und Team-Supervisorin.

Link



ZuZweit

Interview: mhe

  • Sabine Wery
    foto: parship.at

    Sabine Wery

Share if you care.