Kaufkraft des "Urlaubs-Euros" sinkt

14. Juli 2004, 11:18
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Laut BA-CA-Berechnungen ist der starke Euro nur bei Fernreisen ein Vorteil - In vielen Euro-Ländern wurde der Urlaub geringfügig teurer - Mit Infografik

Wien - Trotz des gegenüber dem US-Dollar gestiegenen Eurokurses ist der 'Urlaubs-Euro' im heurigen Sommer etwas weniger wert. Das geht aus aktuellen Berechnungen der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hervor. Der Grund dafür liegt in den höheren Inflationsraten in den beliebtesten Urlaubsländern bei relativ stabilem Wechselkurs. "Die beliebtesten Urlaubsländer der Österreicher haben höhere Preissteigerungen als wir und der stärkere Euro macht sich dort nicht bemerkbar", erläutert BA-CA-Volkswirtschafter Stefan Bruckbauer. Zudem habe der Euro zum Dollar seit Sommer 2003 nur rund 4 Prozent zugelegt.

Weiterhin rund ein Viertel mehr Kaufkraft

Die wichtigsten Urlaubsziele der Österreicher sind entweder Euroländer oder Staaten, deren Währungen sich am Euro orientieren. Die relative Stärke des Euro macht sich daher nicht bemerkbar. Im Durchschnitt (gewichtet nach der Beliebtheit der Destination) kam es zu einer Aufwertung des Euro von lediglich 0,5 Prozent, die Preise stiegen in den Urlaubsländern im Durchschnitt um 1,5 Prozent mehr als in Österreich, errechneten die Ökonomen der BA-CA. Auf Grund des unterschiedlichen Preisniveaus erhalten Österreichs Urlauber in den wichtigsten Urlaubsländern weiter rund ein Viertel mehr für den Euro als zu Hause.

Starke Auswirkungen in GB, USA und Türkei

"Insgesamt dürfte im Durchschnitt der Urlaubs-Euro heuer um rund ein Prozent weniger wert sein", schätzt Bruckbauer. Am stärksten verteuerten sich die Preise in Ungarn und Großbritannien, nämlich um 8 bzw. 7 Prozent. Unter den wichtigeren Urlaubsländern der Österreicher macht sich der stärkere Euro nur in den USA und in der Türkei bemerkbar. Die USA wurden den Berechnungen zufolge für einheimische Urlauber um 4 Prozent, die Türkei um 3 Prozent billiger.

Unter den beliebtesten Urlaubsländern der Österreicher ist trotz der Verteuerung weiterhin Ungarn am günstigsten, d.h. die Urlauber erhalten dort das meiste für ihren Euro. Im Durchschnitt ist er dort fast doppelt so viel wie zu Hause wert. Das zweitgünstigste Urlaubsland ist die Türkei, wo der Urlaubs-Euro heuer rund 3 Prozent mehr wert ist als vor einem Jahr.

Preisvorteil in Euro-Ländern geht zurück

Von den beliebtesten Urlaubsländern weisen auch Spanien, Italien und Griechenland etwas höhere Preissteigerungen als Österreich auf: Hier hat also die Kaufkraft des Urlaubseuros bei konstantem Wechselkurs etwas nachgelassen. Insgesamt registrieren die BA-CA-Ökonomen schon seit längerem, dass der Preisvorteil bei europäischen Urlaubsdestinationen, die den Euro eingeführt haben, sukzessive zurückgeht. "Die höheren Preissteigerungen in einigen Euroländern machen den Urlaub dort teurer, den Urlaub in Österreich im Vergleich dazu wieder billiger", meint Bruckbauer.

Leichte Vorteile haben Urlauber weiter in Ferndestinationen, wo in Dollar gezahlt wird. Ein Urlaub in den USA ist heute rund vier Prozent billiger als vor einem Jahr, allerdings sogar 30 Prozent billiger als vor zwei Jahren. Während man vor zwei Jahren in den USA noch 15 Prozent weniger für seinen Urlaubs-Euro bekam als in Österreich, erhält man heuer um 10 Prozent mehr als in Österreich.

Durchschnittswerte

Ermittelt wurden nur Durchschnittswerte, von denen einzelne Regionen - wie London - deutlich abweichen können. Auch das Preisniveau bezieht sich auf den Durchschnitt der Güter und Dienstleistungen. Das österreichische Einkommensniveau liege teils erheblich über jenem der Urlaubsländer. "Läge Österreichs Preisniveau niedriger, wäre auch das Einkommensniveau geringer - man könnte sich Urlaube oft gar nicht leisten", stellt die BA-CA fest. (APA)

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