Zivildienst: Junge ÖVP fordert Verkürzung auf sechs Monate

18. Juli 2004, 12:14
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Gewerkschaftsjugend und SJÖ dafür - Plattform für Zivildienst will Mitsprache

Wien - Die junge ÖVP fordert, dass der Zivildienst analog zum Präsenzdienst auf sechs Monate verkürzt wird. Um eine komplette Gleichstellung zu schaffen, forderte JVP-Chefin Silvia Fuhrmann in einer Pressekonferenz weiters, auch die - derzeit für Zivildiener schlechtere - Entlohnung auf die selbe Basis zu stellen. Eine Verkürzung des Zivildienstes auf zehn Monate, wie sie von der Bundespartei angedacht werde, ist Fuhrmann jedenfalls zu wenig: "Wir geben uns mit zehn Monate nicht zufrieden."

Ausdrücklich begrüßt wird von der Jungen ÖVP hingegen die gestrige Ankündigung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), bereits 2006 den Wehrdienst auf sechs Monate zu reduzieren. Weitere Reformen seien aber noch umzusetzen, betonte Fuhrmann. Unter anderem will sie, dass der Grundwehrdienst auch für Mädchen problemlos zugänglich gemacht wird. Spezielle körperliche Eignungsprüfungen, wie sie auch von so manchem Mann nicht bestanden würden, sollten der Vergangenheit angehören.

Änderungsbedarf bei Tauglichkeit

Auch in Sachen Tauglichkeit ortet Fuhrmann Änderungsbedarf. Die Nationalrats-Abgeordnete tritt dafür ein, mehrere Stufen zu schaffen. Konkret soll eine Untauglichkeit für den Präsenzdienst nicht auch automatisch für den Zivildienst gelten.

Verbesserungen fordert die Junge ÖVP für den Lebensalltag der Präsenzdiener. So sollten mehr Sportmöglichkeiten und Internet-Zugänge geboten werden, verlangt Fuhrmann. Auch sollte es nicht mehr möglich sein, dass beispielsweise ein Koch als Mechaniker eingesetzt wird und umgekehrt. Zusätzlich sei beim Antreten des Dienstes sowohl bezüglich des Einsatzortes als auch des Zeitpunkts mehr Flexibilität anzuwenden.

Gewerkschaftsjugend und SJÖ für Verkürzung auf sechs Monate

Die Gewerkschaftsjugend begrüßt die "unerwartete" Forderung der JVP-Obfrau Silvia Fuhrmann, den Zivildienst analog zum Präsenzdienst auf sechs Monate zu verkürzen. Die wichtigsten Punkte dabei müssten sein, gleiche Dauer und gleiche Bezahlung, so der Bundessekretär der Gewerkschaftsjugend, Mario Lindner, in einer Aussendung. Auch der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend, Andreas Kollross, verlangte eine Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate ohne Wenn und Aber.

Der Bundesjugendvorsitzende der GPA, Rene Pfister, wiederum sprach von einer "tollen Sache", wenn der Zivildienst analog dem Präsenzdienst verkürzt werden solle. "Analog heißt für mich, dass das sechs Monate sind". Es könne nicht sein, Zivildiener als billige Arbeitskräfte im Sozialbereich zu verwenden, insbesondere nicht in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit.

Plattform Zivildienst will mitreden

"Es ist ein Skandal, dass die Zivildiener bei der Reform offenbar nicht mitreden sollen!", so Klaus Lukaschek, der Bundessprecher des Vereins Plattform für Zivildienst zu den Plänen von Bundeskanzler Schüssel. Die zeitliche Gleichstellung mit dem Präsenzdienst ist nur einer vieler Aspekte, die es umzusetzen gilt. Am wichtigsten sei eine Neuregelung des Anspruches auf Verpflegung. "Vier Jahre hungern ist genug! Die Zivis wollen endlich wieder satt werden! Mit den derzeitigen sechs Euro pro Tag ist das unmöglich!", so die Plattform in einer Aussendung. (APA/red)

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