Die Ölspur zu neuen Reserven

11. Juli 2004, 21:09
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In Zeiten steigender Ölpreise und immer knapperer Ressourcen gehen die Forscher der OMV ungerührt ihrer Arbeit nach: Paläontologen, Geologen und Seismologen suchen nach schwarzem Gold - modernste Simulationstechniken werden eingesetzt

Kaum jemand hat eine so gute Nase für verborgene Reichtümer wie Dagobert Duck. Und doch verleitete ihn das "schwarze Gold" zu einer Fehlinvestition: Aufgrund einer Ölspur kaufte er nicht nur ein wertloses Grundstück, der geizige Millionär investierte auch noch in einen Bohrturm - erfolglos, denn das Öl stammte von einem alten Traktor. Die Frage, die Dagoberts Zeichner Carl Barks schon 1955 spielerisch anriss, stellt sich bis heute: "Wie soll ich wissen, ob und wie viel Öl und Gas sich tatsächlich da unten befindet? Ich war ja selbst nie dort", bringt Gerald Winkler das Problem auf den Punkt. Er ist beim Mineralölkonzern OMV für Aufspüren und Erforschen neuer Vorkommen zuständiger Bereichsleiter.

Die Ölsucher stehen dabei vor einer Schwierigkeit, die auch Dagobert großes Kopfzerbrechen bereitet hätte: Bohrungen kosten bis zu 30 Millionen Dollar. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, setzen sie deshalb auf moderne Technologien und das kombinierte Fachwissen von Spezialisten verschiedenster Richtungen.

Zuerst sind die Paläontologen am Wort. Aufgrund von Fossilienfunden können sie Vermutungen formulieren, wo sich auf dem Grund vorzeitlicher Meere jene organischen Substanzen abgelagert haben könnten, aus denen im Zuge eines Jahrtausende dauernden Fäulnisprozesses Erdöl und Erdgas entstanden sind. Die Geologen steuern ihr Wissen über die Beschaffenheit der Gesteinsschichten bei. Finden sich poröse Materialien wie Sandstein oder Kalk, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich an Stellen, wo das durchlässige Material von einer undurchdringbaren Gesteinsschicht abgeschlossen wurde, Lagerstätten mit Öl und Gas gebildet haben - aber wo genau?

An diesem Punkt kommen die Seismologen zum Zug, die durch das Gestein Druckwellen jagen und messen, in welchen Abständen und mit welcher Stärke sie reflektiert werden. Die Ergebnisse werden in seismische Spezialprogramme eingespeist, die Schnitte durch die Erdkruste als dreidimensionale Bilder darstellen.

Zusätzliches Wissen, wie es tief unten tatsächlich aussieht, sammeln die multidisziplinären Teams durch die Reservoirsimulation: Unter Verwendung aller seismischen und geologischen Daten versuchen die Fachleute nachzuvollziehen, wie groß das Lager ist und welche Druckverhältnisse dort herrschen. Die vorbereitende Erkundung eines Öl- oder Gasvorkommens kann bis zu sieben Jahre dauern, meint Gerald Winkler von der OMV, Profit mache man mit einem Fund im Schnitt nach zehn Jahren.

Auf eine Schätzung, wie lange es noch genügend Erdöl geben werde, will sich Winkler nicht einlassen. Er betont im Gegenzug, dass sich gerade in Österreich gezeigt habe, dass man mithilfe moderner Simulationstechniken auch bekannte Vorkommen besser erforschen könne. So wurde erst vergangenes Jahr in unmittelbarer Nähe zum altbekannten Lager am Matzener Feld ein riesiges Öl-und Gasvorkommen entdeckt, wodurch die Förderquote auf das höchste Niveau seit immerhin zwanzig Jahren anstieg. Trotzdem bleiben noch einige Hürden zu nehmen, wie Barbara Schatz vom Institut für Erdöltechnik der Montanuni Leoben weiß: Mit steigender Computerleistung hoffen die Forscher, irgendwann nicht mehr nur einzelne Aspekte eines Lagers, sondern das komplette System der Erdöl- und Erdgasproduktion modellieren zu können, um unter Rahmenbedingungen wie dem aktuellen Ölpreis verschiedene Szenarien der Entwicklung durchzurechnen.

Besonders an Letzterem wäre natürlich auch der alte Geizhals Dagobert Duck besonders interessiert gewesen. (Elke Ziegler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 7. 2004)

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