Analytischer Blick in die Gluthitze

11. Juli 2004, 21:09
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Neues Doppler-Labor in Leoben setzt auf Simulation bei Stahlherstellung

Modernste Simulationsmethoden sollen in Leoben den Blick in die Gluthitze bei der Herstellung von Stählen und Kupferlegierungen ermöglichen. An dem nun vom Kuratorium der Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) genehmigten neuen Labor für Mehrphasensimulation metallurgischer Prozesse an der Montan-Uni sind als Industriepartner Böhler Edelstahl, Veitsch-Radex, Voest-Alpine Industrieanlagenbau, Voest-Alpine Stahl Donawitz, Voest-Alpine Stahl und die Wieland-Werke (Ulm, Deutschland) beteiligt. Das Jahresbudget beträgt 314.000 Euro. Ziel des Labors unter der Leitung des Physikers Andreas Ludwig vom Institut für Eisenhüttenkunde ist die Optimierung des Herstellungsprozesses von Stählen und Kupferlegierungen.

1700 Grad Celsius

Da die direkte Beobachtung Metall erzeugender Prozesse, die bei bis zu 1700 Grad Celsius ablaufen, bisher weit gehend unmöglich war, setzt man nun auf die Simulation dieser Vorgänge am Computer. "Wir versprechen uns davon, entscheidende Hinweise zur Prozessverbesserung und damit zur Qualitätssteigerung der entsprechenden Metalle zu bekommen", sagt Ludwig. Konkret will man Herstellungsprozesse von Stählen, Edelstählen und Kupferlegierungen untersuchen: Insbesondere werden sich die Wissenschafter im Labor mit der Bewegung von nicht metallischen Fremdpartikeln und Gasen beim kontinuierlichen Gießen von Stahl beschäftigen.

Zudem widmet man sich der Entstehung von unerwünschten Konzentrationsschwankungen, Gasporen und Hohlräumen bei der Herstellung von Edelstahlblöcken. Weitere Schwerpunkte: die Simulation eines Reinigungsverfahrens zur Herstellung hochwertiger Edelstähle und die Reduzierung schädlicher Anreicherungen von Legierungselementen im Zentrum eines Stahlstranges. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 7. 2004)

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