Krankl: "Wir haben nicht das Potenzial"

5. Juli 2004, 17:09
48 Postings

ÖFB-Teamchef nimmt zu Stickler-Kritik nicht Stellung, sieht Rehhagel als Erfolgsgarant der Griechen

Wien - Am 26. April des Vorjahres trennten sich Österreich und Griechenland in Graz in einem freundschaftlichen Fußball-Länderspiel 2:2. 15 Monate später sind die Hellenen Europameister. Österreichs Teamchef Hans Krankl sieht in Teamchef Otto Rehhagel, dem größeren Spieler-Potenzial und dem idealen Start in das Turnier die Grundsteine, die zur wohl größten Sensation in der EM-Geschichte geführt haben. Zur Kritik von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, dass er nur einen Tag in Portugal vor Ort war, gab Krankl keinen Kommentar ab: "Dazu nehme ich nicht mehr Stellung".

"Griechenland hat große Vereinsmannschaften. Panathinaikos, AEK oder Olympiakos spielen regelmäßig in der Champions League, die Spieler haben mehr Erfahrung. Griechenland hatte immer gute Spieler, Rehhagel hat es geschafft, daraus ein Team zu formen, das gemeinsam kämpft. Und es hat von Anfang an geklappt, der Auftaktsieg gegen Portugal war die Initialzündung. Da haben die Griechen Selbstvertrauen bekommen. Man sieht, was mit Selbstvertrauen möglich ist", sagte der Wiener.

"...die Begeisterung ist viel größer"

Vergleiche zwischen dem österreichischen Nationalteam (Rang 70 der FIFA-Weltrangliste) und dem der Griechen (Platz 35) will er nicht anstellen. "Griechenland ist zwar auch nicht so ein großes Land, aber die Begeisterung ist viel größer. Die Wahrheit ist, dass die Griechen im Fußball eine größere Nummer sind als wir. Es wird schwierig, das zu kopieren. Wir haben nicht das Potenzial und die Spieler", sagt Krankl und mit Blick auf die Heim-EM 2008: "Es ist schwer zu sagen, was wir erreichen können. Einen EM-Titel kann ich mir nicht vorstellen. Aber wir können uns auf ein Fußball-Fest freuen, das Österreich noch nie erlebt hat."

Die Kritik am Spielsystem der Griechen, die ihre Stärken in der Defensive hatten und mit effizient vorgetragenen Kontern die viel höher eingeschätzten Teams eliminierten, ist für Krankl "unfair". "Es ist ihr gutes Recht, defensiv zu spielen. Zudem haben sie großartige Spieler vor allem im Mittelfeld und schnelle Stürmer. Wie schon Rehhagel gesagt hat, das Gewinnen ist entscheidend. Ich kann Griechenland nicht vorwerfen, dass Portugal kein Tor geschossen hat", so Krankl.

"Portugiesen unter Normaslform2

Im Finale, das Krankl in der ORF-EM-Arena in der Wiener Krieau verfolgt hatte, war für ihn Ausschlag gebend, "dass bei den Portugiesen fast alle Schlüsselspieler wie Figo, Deco, Maniche, Torhüter Ricardo oder Pauleta weit unter Normalform spielten. Dazu kam beim Tor von Charisteas ein schwerer Fehler von Ricardo. So ein Tor darf man eigentlich nicht kassieren. Aber es freut mich für die Griechen, unglaublich, dass ein 1:80-Außenseiter letztlich den Titel holt." (APA)

Krankls Top-Stars der EM:

Die besten Spieler:
Milan Baros (CZE), Wayne Rooney (ENG), Theodoros Zagorakis (GRE)

Bester Torhüter:
Gianluigi Buffon (ITA)

Bester Verteidiger:
Traianos Dellas (GRE) und Sol Campbell (ENG)

Bester Mittelfeldspieler:
Pavel Nedved (CZE) gefolgt von Steven Gerrard (ENG) und Zagorakis

Bester Stürmer:
Baros und Rooney. Gleich dahinter Cristiano Ronaldo (POR)

  • Hans Krankl analysiert.

    Hans Krankl analysiert.

Share if you care.