Eine Schwester, die geholt wird, wenn es brennt

22. Juli 2004, 11:19
posten

Ursula Haubner (58) soll die FPÖ unter ihre Kontrolle bringen

Als Ursula Haubner am Sonntag in der Früh wach wurde, waren zwei Dinge ungewohnt für sie: Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie zehn Stunden Schlaf gehabt. Und sie war offiziell die Obfrau der FPÖ. Dazu wurde sie am Samstag beim Parteitag der Freiheitlichen in Linz gekürt.

Als Belohnung gönnte sich die frisch gebackene Parteichefin mit Ehemann Klaus, Mutter, Tochter und Enkelkindern einen Tag im Almtal, schmauste Forelle im Erdäpfelmantel in der Erdäpfelpension ihrer Freundin und versuchte das zu schaffen, wofür sie schon als Landespolitikerin gekämpft hatte: Nämlich Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Das heißt dann in ihrem Fall, die Faxnummer, unter der sie erreichbar ist, wechselt mit dem persönlichen Standort, das Handy bleibt eingeschaltet.

Der Weg an die Spitze der in regelmäßigen Abständen von enormen Fliehkräften heimgesuchten Partei war für die seit Februar 2003 als Sozialstaatssekretärin im schwarz-blauen Kabinett Schüssel II amtierende und seit Oktober 2003 designierte FPÖ-Chefin lang und keinesfalls angepeilt.

Denn die gelernte Fachlehrerin für Hauswirtschaft war zwar begeisterte Kommunal-und Landespolitikerin, zeigte aber lange keine bundespolitischen Ambitionen. Anfangs reichte ihr die Übernahme der FPÖ-Bezirksgruppe in ihrem Heimatort Bad Hall. Zwei Jahre später, 1991, forderte sie den örtlichen ÖVP-Bürgermeister überraschend bei der Direktwahl. Dass sie unterlag, quittierte Haubner damals selbstbewusst: "Die Zeit für Bürgermeisterinnen ist anscheinend noch nicht reif."

Nach einem Jahr als FP-Landtagsabgeordnete, war die versierte Sozialpolitikerin mit dem Hang zur Harmonie von 1997 bis 2003 über die Parteigrenzen hinweg anerkannte Landesrätin für Umwelt- und Frauenfragen sowie Konsumentenschutz. Und überraschte die KollegInnen der anderen Fraktionen zu Weihnachten mit selbst Gebackenem.

Dann aber musste die Frau, die so sehr auf Familienbande setzt, wohl oder übel den Gang nach Wien und in die Bundes-FPÖ antreten. Jene Partei, deren Parteibuch (inklusive bezahlter Mitgliedsgebühren für das erste Jahr) ihr der Vater zum 21. Geburtstag geschenkt hat. Die FP suchte verzweifelt Personal für die Neuauflage von Schwarz-Blau. Und es war nahe liegend, auf die routinierte Oberösterreicherin zurückzugreifen und sie ins Sozialministerium zu holen. Ein paar Monate später wurde sie dann auserkoren, die Partei als designierte Chefin zu stabilisieren, jetzt ist sie es offiziell.

Sie macht es vermutlich nur einer Person zuliebe. Einem Familienmitglied, wie könnte es anders sein: Jener Person, die schon als Kind so gern der Chef war und halt zufällig in dem von ihm gegründeten Kindertierschutzverein auch der Obmann war: Ihr jüngerer Bruder ist Jörg Haider. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5.7.2004)

von Lisa Nimmervoll
  • Bild nicht mehr verfügbar
    Die neue FPÖ-Obfrau Ursula Haubner
Share if you care.