Gold-Torschütze Charisteas dankte Rehhagel

5. Juli 2004, 11:40
11 Postings

Wandlung vom Musiker zum Kicker - Stürmer will sich Werder-Stammplatz erkämpfen

Lissabon - Das Tor, mit dem Angelos Charisteas das "Wunder von Lissabon" beendet hatte, widmete er seinem Neffen Dimitris. Doch der Dank des umjubelten Matchwinners zum 1:0-Finaltriumph des Sensations-Europameisters Griechenland gegen Gastgeber Portugal galt seinem Förderer Otto Rehhagel. "Ich muss ihm danken. Ich hatte mit Werder Bremen keine gute Saison. Aber er hat vor dem Turnier zu mir gesagt, dass ich bei ihm trotzdem Stammspieler bin", sagte der strahlende Torheld in den Katakomben des "Estadio da Luz" und küsste seine Goldmedaille, die er stolz um den Hals trug.

Die gesamte Dimension seiner Heldentat vermochte der 24-Jährige am Sonntag Abend nur vage einzuschätzen. "Das ist der größte Moment in meiner Karriere. Ein historischer Tag für Griechenland. Wir sind jetzt die beste Mannschaft in Europa", erklärte Charisteas mit leuchtenden Augen. Eine klare Vorstellung hatte er eher davon, was seine Teamkollegen und ihn am Montag bei der Rückkehr nach Athen erwarten würde: "Drei Millionen Menschen warten auf uns. Wir werden sehr viele Sicherheitskräfte benötigen", meinte er.

Hauptrolle im Märchen

Im griechischen EM-Märchen spielte Charisteas eine Hauptrolle, die ihm beim Double-Triumph mit Werder Bremen in Deutschland nicht vergönnt war. Dort agierten der Brasilianer Ailton und der Kroate Ivan Klasnic als Hauptdarsteller im Bremer Angriff, aber bei Rehhagel war Charisteas erste Wahl. "Ich habe immer an den Jungen geglaubt und zu ihm gesagt. Ich setzte dich aufs Pferd, reiten musst du aber selbst. Hier hatte Angelos nicht die große Konkurrenz wie im Verein. Er hat ein sensationelles Turnier gespielt und war einer der Top-Spieler dieser Europameisterschaft", kommentierte Rehhagel.

Charisteas war frustriert, aber auch mit umso größerem Ehrgeiz nach Portugal gereist. Dort sorgte der Mittelstürmer auf der ungewohnten rechten Seite für Furore: "Ich habe vor der EM gesagt, das ist eine große Chance für mich." Mit drei Toren nutzte er sie eindrucksvoll und ausdrucksstark. Als er in der 57. Minute nach dem Eckball von Angelis Basinas das goldene Final-Tor erzielte, riss er das Trikot hoch und zeigte den Zuschauern in aller Welt ein T-Shirt mit dem Foto von Dimitris, "dem Sohn meiner Schwester". Im Viertelfinale, als er Titelverteidiger Frankreich aus dem Turnier köpfelte, sandte er auf diese Weise einen Gruß an seinen französischen Werder-Teamkollegen Johan Micoud, der nicht für die EM nominiert worden war.

"Nächste Saison will ich spielen"

Nach dem Urlaub in Griechenland will sich Charisteas auch in Bremen, wohin er 2002 für drei Millionen Euro von Aris Saloniki gewechselt war, nicht mehr mit der Reservistenrolle zufrieden geben. "Nächste Saison will ich spielen", lautete die Kampfansage an Klasnic und den als Ailton-Nachfolger verpflichteten Miroslav Klose, die mit Kroatien bzw. Deutschland zu den großen EM-Verlierern gehörten.

Dabei wäre Charisteas dem Fußball beinahe vorenthalten geblieben, denn Vater Jannis gefiel das Kicken nicht und förderte zunächst die musischen Talente des Filius. Schon als Bub erlernte Angelos das Spiel auf dem Folklore-Saiteninstrument Bouzouki. Doch der Spieltrieb des Sohnes mit dem runden Leder ließ sich nicht bremsen. Erst als er 13 war, gab es "Grünes Licht" für die Fußball-Karriere, die mit 17 im Dress von Aris Saloniki richtig begann. Am Sonntag endete sie auf dem Olymp.(APA/dpa/Reuters)

  • Von der Werder-Bank zum EM-Titel.

    Von der Werder-Bank zum EM-Titel.

Share if you care.