Linux für Beamte

19. Juli 2004, 11:29
29 Postings

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stellt Behördendesktop zum kostenlosen Download bereit

Vor ein oder zwei Jahren wurde noch heiß diskutiert, ob denn Linux nun "reif für den Desktop" sei. Inzwischen stellt sich diese Frage für viele Firmen und Behörden nicht mehr. Sie haben zumindest einen Teil ihrer Arbeitsplatzrechner auf das freie Betriebssystem umgestellt oder sie sind gerade dabei. Das gilt auch für das das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das auf dem Linuxtag in Karlsruhe den sogenannten Behörden-Desktop vorstellte und am vergangenen Wochenende zum kostenlosen Download bereit stellte.

Debain

Der Behördendesktop ERPOSS 3 baut auf dem einem Debian GNU/Linux 3.0 (Woody) auf, ergänzt um den KDE-Desktop 3.2.2 und einige besondere Sicherheitsmerkmale.

Security

So sind die Dateisysteme verschlüsselt, womit der Zugriff auf die Festplatte nur mit Passwort möglich ist. Es gibt ein vorkonfiguriertes System für den verschlüsselten und signierten Austausch von E-Mails. Integriert wurden auch ein Virenscanner und eine Firewall, die sich praktischerweise ebenso über Desktop-Icons aktivieren lassen wie die Sicherheits-Updates für das Betriebssystem.

Das BSI will seine Umstellung im Laufe dieses Jahres abschließen. Für einen möglichst reibungslosen Umstieg gibt es neben dem freien Openoffice auch noch weiter Microsoft Office und den Internet Explorer auf den Rechnern der Bundesbehörde.

Kein Angst

Das Beispiel BSI zeigt, dass Linux auch bei der Internet-Nutzung und Standard-Büroanwendungen keinen Vergleich zu scheuen braucht. Hier stellt sich dann höchstens die Frage: "Welchen Pinguin hätten Sie denn gern?" Bei speziellen Programmen, die in Behörden zum Teil ja schon seit vielen Jahren im Einsatz gibt, ist ein Umstieg oft schwieriger. Dann gibt es oft ganz pragmatisch ein Nebeneinander verschiedener Betriebssysteme.

Gründe

Gründe für den Umstieg von Microsoft- auf Linux-Systeme gibt es einige. Die bei Linux wegfallenden Lizenzkosten sind dabei nur noch ein Aspekt und meist nicht der wichtigste. "Der Fokus hat sich verschoben", sagt Lars Hermann von Red Hat, dem Linux-Marktführer. Den Kunden gehe es heute vor allem Sicherheit und Administrierbarkeit ihrer Systeme. Und sie wollten ihre Abhängigkeit von einem Hersteller beenden und eine tatsächliche Wahlmöglichkeit haben.

Wünsche der Kunden

Diesem Wunsch der Kunden nach Alternativen zu Microsoft wollen inzwischen viele Firmen nachkommen. Da sind zum einen Unternehmen wie Red Hat oder Novell/SuSE, die schon seit vielen Jahren ihre eigene Linux-Distribution anbieten. Andere wie Sun Microsystems arbeiten zwar schon lange in den UNIX-Welt, fanden aber nur zögerlich und vor allem wegen der Nachfrage der Kunden zu Linux. Herausgekommen ist das Sun Java Desktop System. Mit dabei ist natürlich StarOffice, der etwas größere und vielleicht manchmal etwas reifere Bruder des freien Openoffice.

Daheim

Auf dem Computer daheim wird es der Pinguin ungeachtet aller Fortschritte zum Beispiel bei der Hardware-Erkennung auf absehbare Zeit allerdings noch schwer haben. Hier kommt eine Vielzahl von Hardware-Produkten und auch Software zum Einsatz, die zum Teil explizit auf die Betriebssysteme von Microsoft zugeschnitten sind. Und hier wird sich auch nicht viel ändern, so lange die Hersteller nicht dazu übergehen, betriebssystemunabhängige Geräte zu entwickelt.(APA/red)

  • Artikelbild
Share if you care.