Gläubigerbanken fordern Kredite zurück

5. Juli 2004, 16:58
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Russischer Ölkonzern von westlichem Bankenkonsortium wegen einer Milliarde Dollar in Zahlungsverzug gesetzt - Steuerbehörden wollen 5,6 Milliarden Euro Nachzahlung - Aktienkurs im Sinkflug

Moskau - Ein westliches Bankenkonsortium hat von dem angeschlagenen russischen Ölkonzern Yukos die Rückzahlung eines Milliardenkredits verlangt. Das Gläubigerkonsortium unter Führung der Société Générale fordere 1 Mrd. Dollar (823 Mio. Euro) von dem vor der Pleite stehenden Unternehmen zurück, teilte ein Yukos-Sprecher am Montag in Moskau mit. Durch die formelle Erklärung des Verzugs bei der Rückzahlung können nun Verzugszinsen und gegebenenfalls Schadenersatz verlangt werden.

Computer beschlagnahmt

Am Wochenende hatte die Justiz Dokumente und Computer des Konzerns beschlagnahmt. Die Steuerbehörden fordern von Yukos Nachzahlungen in Höhe von etwa 5,6 Mrd. Euro. Die Hälfte der Summe ist noch in dieser Woche fällig. Analysten in Moskau erwarten, dass der bisher größte russische Ölkonzern im Interesse des Kremls zerschlagen wird. Der frühere Konzernchef und Mehrheitseigner Michail Chodorkowski muss sich wegen diverser mutmaßlicher Betrugsdelikte vor Gericht verantworten.

Aufforderung bereits am Freitag erhalten

Yukos-Sprecher Alexander Schadrin sagte am Montag der russischen Nachrichtenagentur Interfax, Jukos habe bereits am Freitagabend die Aufforderung erhalten, die Schulden aus dem September schnell zurück zu zahlen. Medienberichten zufolge verlangte das Syndikat allerdings nicht, den Kredit sofort zu tilgen. Schadrin ergänzte, dass Yukos keine entsprechenden Aufforderungen von anderen Gläubigern erhalten habe. Zu diesen zählt auch die Menatep-Holding, über die der ehemalige Konzernchef Michail Chodorkowski und seine Vertrauten das Unternehmen kontrollieren. Menatep hat Yukos insgesamt 1,6 Mrd. Dollar geliehen.

Aktionäre klagen

Unterdessen haben einige Minderheitsaktionäre eine Klage in New York gegen Yukos und die Führung des Unternehmens eingereicht, wie die russische Zeitung "Wedomosti" berichtet. Demnach werfen die Anteilseigner Yukos Betrug vor: Das Unternehmen habe sie dazu verleitet, in den acht Monaten vor der Festnahme Chodorkowskis im Oktober Yukos-Aktien zu überhöhten Preisen zu kaufen. Seit dem Beginn der Untersuchungen hat Yukos rund die Hälfte seines Börsenwertes verloren. Allein am (heutigen) Montag verlor die Yukos-Aktie im frühen Frankfurter Handel zwischenzeitlich bis zu 13 Prozent.

Düstere Zukunft

Mit den jüngsten Entwicklungen sieht die Zukunft des russischen Ölkonzerns immer düsterer aus. Polizei- und Justizbeamte hatten am Wochenende die Firmenzentrale in Moskau durchsucht. Wie Firmensprecher Schadrin am Sonntag mitteilte, ging es bei der Razzia am Samstag um den Verdacht der Steuerhinterziehung beim Tochterunternehmen Samaraneftegas. Für die Jahre 2000 und 2001 muss Yukos insgesamt 197,4 Mrd. Rubel (5,6 Mrd. Euro) an Steuern nachzahlen. Die Frist für die Steuerforderung aus dem Jahr 2000 läuft am Mittwoch aus.

Kritiker sehen in dem Prozess einen Versuch des Kremls, die politischen Ambitionen des Milliardärs Chodorkowski zu stoppen. Yukos soll außerdem in den vergangenen Jahren mehrere Mrd. Euro auf Konten in die Schweiz umgeleitet haben. (APA/dpa)

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