Hollywood trauert

5. Juli 2004, 12:16
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Jack Nicholson: "Monumentaler Künstler von der Statur Michelangelos und Picassos"

Los Angeles - Hollywood trauert um seinen letzten Rebellen: Zahlreiche Kollegen zeigten sich am Wochenende betrübt über den Tod des Jahrhundertschauspielers Marlon Brando und rühmten seine Leistungen für den Film. Brando war am Donnerstag 80-jährig in einer Klinik in Los Angeles an Lungenversagen gestorben. Er soll nach einem Bericht der "Los Angeles Times" vom Samstag im engsten Familienkreis an einem geheimen Ort beigesetzt werden.

Bernardo Bertolucci, vor dessen Kamera Brando in "Der letzte Tango in Paris" (1972) eine seiner letzten großen Rollen gespielt hatte, sagte "mit Tränen in den Augen", dass "Marlon durch seinen Tod unsterblich geworden ist".

"Ich bin geschockt und tieftraurig über den Verlust des größten Schauspielgenies unserer Zeit", bekannte Al Pacino, Brandos Partner in "Der Pate".

Regisseur Francis Ford Coppola meinte: "Marlon hätte es bestimmt gehasst, wenn Leute nach seinem Tod einen Kommentar abgeben. Ich möchte nur sagen, dass es mich traurig macht, dass er gegangen ist". Regisseur Elia Kazan begeisterte sich für Brando, weil dieser "alles in Frage stellt, das ganze System der Höflichkeit, des guten Charakters und der Ethik".

Jack Nicholson nannte seinen Kollegen, Freund und Nachbarn "einen monumentalen Künstler von der Statur Michelangelos und Picassos". Und weiter: "Er gab uns unsere Freiheit." Erst durch den rebellischen Superstar habe Hollywood gelernt, raue, vulgäre und zwiespältige Interpretationen vor der Kamera zu erlauben.

Für Sophia Loren war Brando "ein lieber Freund", der etliche Tragödien in seinem Privatleben erlitten habe und deshalb "wohl nicht mehr richtig für sich gesorgt" habe. Sein ältester Sohn Christian erschoss 1990 den Freund seiner schwangeren Halbschwester Cheyenne. Sie selbst beging 1995 Selbstmord. Insgesamt hatte Brando, der in der Einöde Nebraskas in einer zerrütteten Familie aufwuchs, mindestens elf Kinder mit drei Ex-Frauen und zahlreichen Geliebten.

Regisseur und Schauspieler Warren Beatty sah in Brando mehr als einen "einzigartig talentierten und einflussreichen" Schauspieler. "Er war ein wacher Bürger mit einem breiten sozialen Spektrum, ein überaus großzügiger Freund und sehr offen über seine persönlichen Ansichten. Er war ein unglaublich unterhaltsamer Nachbar. Annette und ich werden ihn sehr vermissen", sagte Beatty auch im Namen seiner Frau Annette Bening.

Robert De Niro erklärte, "er war ein großartiger Schauspieler. Wir haben ihn alle geliebt und werden ihn sehr vermissen".

Brandos Partner in dem Film "Der Pate", Robert Duvall, nannte den Star einen "Paten für viele junge Schauspieler in der ganzen Welt".

Der Schauspieler James Garner meinte: "Amerika hat seinen führenden Filmstar verloren. Er war der Beste. Die Welt wird ihn vermissen."

Regisseur Elia Kazan begeisterte sich für Brando, weil dieser "alles in Frage stellt, das ganze System der Höflichkeit, des guten Charakters und der Ethik".

Eva Marie Saint, seine Leinwandpartnerin in "Die Faust im Nacken", würdigte Brando als einen der talentiertesten und "großmütigsten" Schauspieler.

"Er war ein Einzelgänger. Man wusste nie, was sich in seinem Innern abspielte. Keiner war wirklich eng mit ihm befreundet", beschrieb Brandos Filmpartnerin in der Komödie "Bedtime Story" (1964), Shirley Jones, den Star. "Er hat die Schauspielerei von Grund auf revolutioniert. Vorher war alles war perfekt inszeniert. Brando dagegen (...) brachte seine Gedanken und Gefühle rüber."

Brando hatte sich seit den 80er Jahren für Amerikas Indianer eingesetzt. Er unterstützte die Black-Panther-Partei, demonstrierte gegen die Todesstrafe und die Behandlung von Juden in der damaligen Sowjetunion und versuchte, Interessenten für einen Dokumentarfilm über das Hungern in Indien zu finden. Der Organisation von Martin Luther King Jr. trat er einen Teil seines Einkommens ab. (APA/dpa/AP)

 

 

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