Hoffen auf Genesung nach blauer Familientherapie

6. Juli 2004, 16:00
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Beim Sonderparteitag blieb der große Krach aus - Haubner ist Parteichefin, aber Ewald Stadler beharrt auf "Kurskorrektur"

Durchatmen bei der FPÖ: Der große Krach beim Sonderparteitag blieb aus. Ursula Haubner ist Parteichefin, aber Ewald Stadler beharrte auch tags darauf auf "Kurskorrektur".

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Linz - Kurze Verschnaufpause, die FPÖ hat sich nach der familientherapeutischen Sitzung am Parteitag in Linz ein wenig aufgerichtet, doch eine nachhaltige Genesung scheint nicht in Sicht. "Im Herbst, werden wir weitersehen", droht bereits der rechtsnationale "Rebell" Ewald Stadler. Da stehe erst der ordentliche Parteitag ins Haus. Wobei intern schon heftig über den genauen Termin gestritten wird.

Stadler pocht auf "Kurskorrektur" der FP-Regierungsfraktion um Vizekanzler Hubert Gorbach und Staatsekretärin Ursula Haubner. Der Volksanwalt am Sonntag im Gespräch mit dem STANDARD: "Die Delegierten haben mit ihrem Verhalten am Parteitag in erster Linie an die Regierungsmannschaft das klare Signal ausgesandt: Ihr müsst eine Kurskorrektur vornehmen. Die Delegierten wollen sich in der FP wiederfinden."

Stadler fühlt seine Position, und damit wohl auch die seiner rechten "Rebellen"-Gruppe nunmehr gestärkt, "in organisatorischer und auch atmosphärischer Hinsicht".

Kurzer Triumph

Der Volksanwalt hatte den Parteitag in Linz dafür strategisch genutzt. Stadler hatte einen "Haider-Auftritt" inszeniert. Er kam um eine halbe Stunde zu spät und provozierte maximale Aufmerksamkeit. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Applaus brauste auf. Einiges Triumphgefühl dürfte ihn da erfasst haben, als er unter tosendem Applaus am "einfachen Parteimitglied" Jörg Haider, das die Delegiertenbank drückte, vorbeischritt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stadler den Kompromiss und damit auch Ursula Haubner ihre Wahl zur Parteiobfrau - es sollten 79 Prozent Zustimmung werden - in der Tasche.

In den Parteivorstand kooptiert

Stadler hatte auf seine Kandidatur als stellvertretender Parteichef verzichtet, dafür aber die Präsidentschaft über die freiheitlich Akademie bekommen und dazu die Möglichkeit, am Parteivorstand als kooptiertes Mitglied teilzunehmen. Bisher führte Jörg Haider die Akademie, sie gilt parteiintern durchaus als Schaltzentrale, zumal die Institution mit den Bildungsgeldern der Parteien gesponsert wird. Sie verfügt über rund zwei Millionen Euro und ist für die Bildung, Ausbildung und Marketing zuständig.

Parteichefin Ursula Haubner muss auch auf höchster Ebene die Macht teilen: Sie wird am "ovalen Tisch" wöchentlich in der Regierungsarbeit abstimmen. Am Tisch sitzen neben ihr: Bruder, Landeshauptmann Jörg Haider, Vizekanzler Hubert Gorbach, Klubchef Herbert Scheibner, die am Samstag neu gewählten Parteivizes Heinz-Christian Strache (74,8 Prozent der Delegiertenstimmen) und Günther Steinkellner (69,5 Prozent), sowie der neue Generalsekretär Uwe Scheuch.

Hoffen auf Harmonie

Haubner hofft auf Harmonie. Beschwörend sprach sie am Parteitag auf die Aufrührer ein: "Eine sektiererische Hinwendung zur reinen Lehre ist nicht der richtige Weg." Dann ganz offen: "Ich bin keine große Rednerin, die ein rhetorisches Feuerwerk ausbreitet, aber ich habe ein großes, freiheitliches Herz, das mich all die Jahre getragen hat."

Keine Strahlkraft

Wie verwirrt dieses FPÖ-Herz allerdings ist, wurde bei der Rede Stadlers greifbar. Als der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Parteichef Herbert Haupt den Volksanwalt an die Redezeit erinnerte, erntete Haupt Buhrufe und ein Pfeifkonzert. Später beim Auftritt Vizekanzlers Gorbach verließen viele Delegierten den Saal. Er hatte gerade angesetzt, die freiheitlichen Erfolge in der Regierung der eigenen Klientel zu verkaufen. Auf die FPÖ-Krise ging er nicht ein, was den niederösterreichischen Delegierten Helmut Leitner provozierte: "Wir sind Realitätsverweigerer. Ich wähle Haubner nicht, weil sie nicht die Strahlkraft hat." Der Steirer Karl Grafeneder brachte es deftig auf den Punkt: "Wir wurden hierhergeschickt mit dem Motto: Haubner wählen - Goschn halten - Jubel. Nach Jubel ist mir nicht zumute."

Haider: "Kein ideologischer Pflegeverein"

Gleich zu Beginn hatte sich Altobmann Jörg Haider auf die Rednerliste setzen lassen. Es sollte nichts anbrennen und Haubner gestärkt werden. Nein, "es läutet nicht das Totenglöckchen", beschwörte Haider. Kärnten habe bewiesen, dass "Regieren und Erfolg kein Widerspruch" sein müssen: "Wir müssen unserem Regierungsteam daher die Mauer machen. Wir aber tun uns die Qual von Flügelkämpfen an." In Richtung Stadler sagte Haider, man dürfe kein "ideologischer Pflegeverein" sein, denn: "Die FPÖ kann doch nur erfolgreich sein, wenn sie die Breite beachtet und offen ist für alle Wählerschichten." (DER STANDARD, Printausgabe 5.6.2004)

Von Peter Mayr
und Walter Müller
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    Erleichterung an der FPÖ-Spitze, als der Linzer Parteitag endlich vorüber war: Parteichefin Ursula Haubner mit ihren Stellvertretern Heinz-Christian Strache (rechts) und Günther Steinkellner sowie Generalsekretär Uwe Scheuch (links).

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