Elke Krystufek in der Bawag-Foundation: Lindenstraße in die Kunstwelt

12. Juli 2004, 22:04
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Elke Krystufek zeigt neue Collagen in der Bawag-Foundation

Wien - Sogar unabhängige Frauen brauchen einen großen Bodyguard, hat Popsternchen Beyoncé Knowles dem Magazin Heat anvertraut. Ihr schützender Gigant sieht aus, als würde er Portionen wie Beyonzé zum Frühstück verspeisen. "Big Daddy 1" steht auf dem Hauszelt, in dem der Leibwächter steckt, während er mit seiner Klientin fürs Foto posiert. Elke Krystufeks "Big Daddy" heißt Georg Kargl, ist Galerist und steht auch dann schützend hinter seiner Elke, wenn die Ritterrüstung trägt und schwarze Schuhpasta im Gesicht.

Zusammengefunden haben die beiden Damen samt ihren Beschützern in einem Inserat für den Zigarettentabak Drum. Weil: Erstens ist der "Surprisingly Mild" (wie die Leibwächter). Zweitens lässt sich beim Wuzeln "Your own rhythm" finden, was wiederum auf die unabhängigen Frauen verweist. Und drittens zeigt das Inserat eine Künstlerin, die sich gerade Michelangelos Erschaffung des Adam aus der Sixtinischen Kapelle als Wandmalerei ins Klo kopiert und damit wohl für den Privatgebrauch aneignet.

Wozu wiederum ganz ausgezeichnet ein Zitat des Künstlers Jimmie Durham passt, in dem sich der als Traditionalist outet und der guten alten Freskotechnik den Vorzug vor der - längst noch nicht vollständig erprobten - Ölmalerei gibt.

Und Elke Krystufek ist ja schließlich auch Künstlerin. Sie hat die eben beschriebene Collage gemacht - eine von insgesamt 115 für das Künstlerbuch The Rich Visit the Poor, the Poor Visit the Rich.

Materialsammlung

Aus dem Buch wurde nun - entgegen der üblichen Fahrtrichtung - eine Ausstellung für die Bawag-Foundation. Aus den Druckvorlagen hat Krystufek 31 Fototableaus zusammengefügt. In Vitrinen legt sie ihr Ausgangsmaterial offen: Ihren Handapparat an Literatur als Archiv brauchbarer Zitate, unzählige Magazine und Zeitschriften, Schnappschüsse und absichtsvolle Aufnahmen dessen, was ihr so auffällt.

Diesmal mit dem Themenschwerpunkt Diskrepanzen: Zwischen Arm und Reich, Slum und Palast, Künstler und Sammler, Sozialkritik und Marktwert, Realität und Werbung, dem Alltag des einen und jenem eines anderen. Das ergibt zwangsläufig komplexe Bezugssysteme, über die sich lang palavern lässt. Und da die Personen in Krystufeks fiktiven Handlungssträngen real existieren, erfreut man sich am Wiedererkennungswert, ergänzt die Collagen um den eigenen Anteil und fühlt sich sogleich geborgen in Elkes letztlich harmloser Art-World-Soap. Bis 4. 9.
(DER STANDARD, Printausgabe vom 5.7.2004)

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