Erstes Todesopfer durch Legionellen

5. Juli 2004, 17:14
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Ein Urlauber, der sich auf einem Klagenfurter Campingplatz mit der Legionärskrankheit infiziert hatte, ist tot - Staatsanwaltschaft ermittelt - Campingplatz geschlossen

Klagenfurt - Es ist erst ein Jahr her, dass in einem Restaurant des Klagenfurter Strandbades Salmonellen-Alarm gegeben wurde. Mehr als hundert Menschen erkrankten damals. Nun starb ein niederösterreichischer Urlauber im Wiener AKH nach einer Infektion mit der hochgefährlichen Legionärskrankheit. Zwei Duschanlagen am Campingplatz, der von den Klagenfurter Stadtwerken betrieben wird, waren verseucht. Sonntag Abend wurde beschlossen den Campingplatz ab sofort zu schließen.

Ende Mai erkrankte das 60-jährige Opfer an einer schweren, durch die Legionellen ausgelösten Lungenentzündung. Später kam dann eine Sepsis dazu. Bekannt wurde der Vorfall aber erst am 28. Juni. Wenig später wurde auch die Erkrankung eines 72-jähriger Deutschen gemeldet. Er befindet laut Landeskrankenhaus Klagenfurt auf dem Wege der Besserung.

Woran der Mann aus Niederösterreich genau verstarb, ist nun ein Fall für den Staatsanwalt. Es muss geklärt werden, ob vonseiten der Klagenfurter Stadtwerke grobe Fahrlässigkeit mit Todesfolge vorliegt. "Das Wasser in den Boilern wurde lediglich auf 40 bis 44 Grad erhitzt. Eine wahre Brutstätte für die Legionellen", sagte die Klagenfurter Gesundheitsstadträtin Marie-Luise Mathiaschitz-Tschabuschnig zum STANDARD.

Wartungsfehler?

Warum man die Duschen nach Bekanntwerden nicht sofort behördlich sperrte, begründet sie so: "Wir haben genau nach den Vorgaben der Legionellen-Zentrale thermisch erhitzt und chloriert." Normalerweise sterben die Legionellen bei einer Wassertemperatur von 70 Grad in Sekundenschnelle ab. Doch eine weitere Wasserprobe habe bestätigt, dass noch immer Keime, wenn auch nicht mehr in gesundheitsbedrohender Konzentration, vorhanden waren. Das lasse entweder auf einen "Wartungs- oder Anlagefehler schließen", sagt die Gesundheitsstadträtin und verlangt von den Stadtwerken einen Untersuchungsbericht.

Dass das Wasser möglicherweise nur aus Spargründen nicht genügend erhitzt worden sein könnte, will sie "vorerst wirklich nicht glauben". Es sei nun zu prüfen, ob die behördlich angeordneten Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa regelmäßige Erhitzungen der Wassertemperatur, auch durchgeführt worden seien.

Stadtwerke-Vorstand Wilhelm Lauer weist Vorwürfe zurück: "Jetzt muss einmal die Ursache gefunden werden." Die Duschen seien erst im April gefüllt worden, die erste Routineerhitzung wäre im Juli fällig gewesen. Jetzt gehe es um das Vertrauen der Gäste, deshalb werde man die 2002 errichteten Duschkabinen abreißen und neu bauen.

Campingplatz geschlossen

Sonntag Abend wurde dann der Campingplatz doch noch geschlossen. "Die Schließung erfolgt nach Rücksprache mit dem Vorsitzenden unserer Aufsichtsrats, Karl Medwed, sagte Lauer. Die Schließung beziehe sich allerdings nur darauf, dass ab sofort keine Neuankömmlinge mehr aufgenommen werden. "Selbstverständlich wird niemand vertrieben, jeder kann so lange bleiben wie er will", fügte er hinzu. Die Schließung werde so lange erfolgen, bis die Ursachen für die Legionellen-Erkrankungen geklärt sind.

(APA/red/Elisabeth Steiner, Der Standard, Printausgabe, 05.07.2004)

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    Ein gesperrten Waschraum auf dem Campingplatz in Klagenfurt

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