Neuer Chef hofft auf Kapital

20. Juli 2004, 13:09
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Klaus Sernetz, neuer Generaldirektor der VA Tech, ist überzeugt, noch heuer grünes Licht für eine Kapitalerhöhung zu bekommen - Diese sei notwendig und begründbar

Wien - Klaus Sernetz, Neo-Generaldirektor des Anlagenbaukonzerns VA Tech rechnet fest damit, noch heuer zu einer Entscheidung über eine Kapitalaufstockung zu kommen. "Das Thema ist, ob eine Kapitalerhöhung sinnvoll ist oder nicht. Davon die Eigentümer zu überzeugen, ist meine Aufgabe und mein Ziel", sagt der frisch gekürte Generaldirektor im STANDARD-Interview.

Dass der neue Anlauf zu einem Flop werden könnte wie die Hauptversammlung (HV) am 29. April - damals lehnten 12,53-Prozent-Aktionär Mirko Kovats und Schweizer Aktionäre den Antrag auf genehmigtes Kapital überraschend ab -, glaubt Sernetz nicht. "Sie ist notwendig und begründbar. Ich weiß, dass Mirko Kovats das auch klar so sieht."

"Kovats wirtschaftlich denkender Mensch"

Außerdem geht Sernetz davon aus, "dass Kovats ein wirtschaftlich denkender Mensch ist, der sein investiertes Vermögen vermehren will. Da ist er intelligent genug", sagt Sernetz. Die HV habe die Vertrauensbasis zwischen der Kovats-Gruppe und dem Vorstand zwar beeinträchtigt, jetzt sei diese aber wieder intakt: "Wir haben eine sachliche, professionelle Basis und hohe Übereinstimmung in wesentlichen Fragen." Dass die Kapitalaufstockung gekippt wurde, weil mit dem frischen Geld allenfalls Sanierungsfälle verschleiert werden hätten können, glaubt Sernetz nicht: "Vielleicht wurden Manipulationen bei den Bezugsrechten vermutet oder befürchtet. Ich weiß es nicht. Kovats hat vermutlich einen Grund gehabt, so zu entscheiden."

Von der Idee, institutionelle Investoren zur Teilnahme an der Hauptversammlung zu motivieren, um so die Stimmenmehrheit für die Kapitalerhöhung zu sichern, wie das die ÖIAG wünscht, hält Sernetz genauso wenig wie sein Vorgänger Erich Becker. Investoren seien an guten Fundamentaldaten interessiert, dass der Konzern Profit mache und der Kurs steige. "Es ist nicht unsere Aufgabe, sie in Flieger zu setzen und in die HV zu bringen."

Um das bis 2005 zu schaffen, haben Sernetz und sein Stellvertreter Gerhard Falch (Industrieanlagenbau VAI) in der Division Energieübertragung und -verteilung (T&D) gleich den ersten Schritt gesetzt und die Kooperation mit Schneider Electric in Frankreich beendet. Die VA Tech kauft die 40 Prozent am Joint Venture VA Tech Schneider High Voltage zurück und hat nun die freie Hand bei der Sanierung der Energiesparte. "Das Joint Venture war ein Hindernis. Es hat nie positive Zahlen geschrieben", sagt Sernetz, der die veranschlagten Restrukturierungskosten mit 15 Millionen Euro beziffert. 2005 soll die auf Hochspannungs- und Schaltanlagen spezialisierte, in Grenoble ansässige High Voltage bereits "ins Positive drehen".

Binnen 60 Tagen soll weiters eruiert werden, ob die angekündigte Redimensionierung der drei Transformatorenwerke in Schottland, Frankreich und Italien ausreicht, um die Marktschwäche am europäischen Trafomarkt durchtauchen zu können.

"Exzellent aufgestellt"

"Dann folgt die Entscheidung, ob zusätzliche Kosten zu verdauen sein werden." Dann soll feststehen, ob ein Trafo-Werk geschlossen werden muss und was die weitere T&D-Sanierung kosten wird.

Insgesamt sei der "Baukasten VA Tech" strategisch in Ordnung: "Ich glaube, dass wir in Österreich exzellent aufgestellt sind. Mit Ausnahme eben von T&D." Nun stehen "Adaptierungen und Sanierungen" an. Zu diesen gehört das Auslandsgeschäft, bei dem der neue General und sein Vize Falch, einiges vorhaben: Um den Konzernauftritt zu verbessern, wird bei den rund 200 Auslandsgesellschaften eine Bereinigung vorgenommen. "Ich bin sehr für dezentrale Verantwortung. Aber in dieser Vielfalt und Größenordnung ist das unmöglich", skizziert Sernetz, als Elin-EBG-Chef selbst stets auf seine Eigenständigkeit bedacht, den anstehenden Kulturwechsel.

Aufspüren muss die Synergiepotenziale, die auch in weiteren EDV-Auslagerungen an die konzerneigene IT-Tochter AI-Informatics liegen, Falch. "Am IT-Sektor herrscht, bedingt durch die vielen Akquisitionen, noch ,Kauderwelsch', es fehlen gemeinsame, konzernweite Standards." (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 05.07.2004)

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    Will die Aktionäre davon überzeugen, dass der Anlagenbau-konzern frisches Geld braucht: Klaus Sernetz, der neue VA-Tech-General. Denn: "Probleme brauchen schnelle Entscheidungen, sonst ist man hin."

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