Rotes Kreuz: Mindestens 107 Kinder im Irak inhaftiert

8. Juli 2004, 17:49
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Fernsehmagazin berichtet von Misshandlungen

Mainz - In irakischen Gefängnissen sind nach Recherchen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mehr als 100 Kinder inhaftiert, unter anderem auch in dem berüchtigten Foltergefängnis Abu Ghraib. "Wir haben zwischen Jänner und Mai insgesamt 107 Kinder registriert, und zwar während 19 Besuchen an sechs verschiedenen Haftorten", sagte der IKRK-Sprecher in Genf, Florian Westphal, dem SWR-Magazin "Report Mainz". Er verwies darauf, dass dies Haftorte waren, die auch wirklich von US-geführten Koalitionstruppen kontrolliert werden. Die Zahl der gefangen gehaltenen Kinder könnte auch höher sein, sagte er.

Laut Zeugen auch Misshandlungen

Das deutsche Fernsehmagazin berichtete von Hinweisen und Zeugenaussagen, wonach US-Soldaten in irakischen Gefängnissen auch Kinder und Jugendliche misshandelt haben. Samuel Provance, ein in Abu Ghraib stationierter Unteroffizier des US-Militärgeheimdienstes, sagte, Verhörspezialisten hätten ein 15 bis 16 Jahre altes Mädchen in ihrer Zelle bedrängt. Militärpolizei sei erst eingeschritten, als das Mädchen bereits halb entkleidet gewesen sei. Ein anderes Mal sei ein 16-Jähriger mit Wasser überschüttet, durch die Kälte gefahren und anschließend mit Schlamm beschmiert worden.

Internierung

Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) bestätige die Gefangennahme irakischer Kinder durch ausländisches Militär, berichtete das TV-Magazin unter Berufung auf einen internen Bericht. Wörtlich heiße es in dem unveröffentlichten Dokument vom Juni 2004: "Kinder, die in Basra und Kerbala für angeblich gegen die Besatzungsmächte gerichtete Aktivitäten festgenommen worden waren, wurden Berichten zufolge routinemäßig in eine Internierungseinrichtung in Um Quasr überstellt. Die Einstufung dieser Kinder als Internierte ist Besorgnis erregend, da sie unbestimmten Gewahrsam ohne Kontakt mit der Familie, Erwartung eines Verfahrens oder Prozess beinhaltet." Die deutsche Sektion der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) forderte die Aufklärung der Vorwürfe und eine Stellungnahme der US-Regierung. (APA)

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