Erster Toter durch Legionellen am Klagenfurter Campingplatz

4. Juli 2004, 20:30
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Niederösterreicher im AKH Wien verstorben - Ursache noch unklar - Gesundheits-Stadträtin gab vorzeitige Entwarnung

Klagenfurt - Die Legionellen-Erkrankungen, welche Ende Mai am Klagenfurter Campingplatz aufgetreten waren, haben ein erstes Todesopfer gefordert. Ein 60-jähriger Niederösterreicher ist in der Nacht auf Sonntag im AKH Wien verstorben. Dies teilten Stadtwerke-Direktor Wilhelm Lauer und Gesundheitsreferentin Maria-Luise Mathiaschitz-Tschabuschnig (S) der APA mit.

Legionärskrankheit nach Urlaub am Campingplatz

Der Mann aus dem Bezirk Neunkirchen hatte von 20. bis 27. Mai einen Urlaub auf dem Campingplatz verbracht. Er war am 30. Mai an einer schweren Lungenentzündung erkrankt und ins AKH Wien eingeliefert worden. Am 29. Juni war von der Stadträtin mitgeteilt worden, dass der Mann an Legionella pneumophila, besser bekannt als Legionärskrankheit, erkrankt war.

Legionellen können zu Lungenentzündung führen

Legionellen sind Bakterien, die beim Duschen eingeatmet werden. Sie führen zu einer Erkrankung der Lunge, die bei Menschen ab 60 Jahren und bei immungeschwächten Personen eine schwere Lungenentzündung auslösen kann. Eine orale Infizierung ist nur dann möglich, wenn kontaminiertes Wasser durch Verschlucken in die Lunge gelangt.

Duschanlagen gesperrt

Ausgangspunkt der Legionellen am Klagenfurter Campingplatz sind die Duschanlagen. Diese sind seit vergangenem Donnerstag geschlossen. Es wurden vom Bundesheer zur Verfügung gestellte mobile Duschen installiert.

"Die Duschanlagen werden erst dann wieder geöffnet, wenn von technischer und medizinischer Seite eine hundertprozentige Sicherheit besteht, dass nichts mehr passieren kann", sagte der Vorstand der Stadtwerke AG, Wilhelm Lauer, am Sonntag gegenüber der APA. "Wir suchen derzeit mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln nach den Ursachen, sind aber noch nicht fündig geworden." Deshalb sei bereits eine interne Kommission eingesetzt worden.

Die Stadtwerke AG habe laut Lauer folgende Maßnahmen getroffen: Die beiden Duschanlagen bleiben so lange gesperrt, bis ein beeideter Ziviltechniker einen technischen Standard bestätigt, welcher Legionellen gänzlich ausschließt. Es wird eine schriftliche Bestätigung gefordert, dass aus medizinischer Sicht und Erfahrung eine automatische Entkeimung ohne manuellem Eingriff sichergestellt ist. Erst nach Vorliegen beider Bestätigungen werden die Duschanlagen wieder in Betrieb genommen. Organisatorisch liegt die Betriebsführung bis auf weiteres beim stellvertretenden Leiter der Bäder.

Gesundheitsstadträtin gab vorzeitige Entwarnung

"Vom Gesundheitsamt der Stadt fordern wir eine unmissverständliche und definitive Unterstützung ein", betonte der Stadtwerke-Vorstand. Die Duschanlagen seien nach Bekanntwerden des ersten Falles nur deshalb nicht sofort geschlossen worden, weil seitens der Gesundheitsstadträtin eine hundertprozentige Entwarnung gegeben worden sei.

Gesundheitsreferentin Maria-Luise Mathiaschitz-Tschabuschnig (S) und Amtsarzt Klaus Fillafer stellten dazu fest, dass nach den Vorgaben der Legionellen-Zentrale in Wien gehandelt worden sei.

Der Zustand jenes 72-jährigen Deutschen, der sich am Campingplatz ebenfalls angesteckt hatte und derzeit im LKH Klagenfurt behandelt wird, ist stabil. (APA)

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    Legionella pneumophila kann bei immunschwachen und älteren Patienten eine schwere Lungenentzündung hervorrufen.

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