Serie von Angriffen im Westjordanland

5. Juli 2004, 11:08
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Siedler getötet - Israelische Soldaten erschießen vier Palästinenser - Geheimdienst sieht zunehmende Gewaltbereitschaft unter Siedlern

Nablus/Jerusalem - Palästinensische Extremisten haben am Sonntag eine Serie von Angriffen im Westjordanland verübt und einen jüdischen Siedler erschossen. Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden reagierten damit nach eigenen Angaben auf eine israelische Razzia, bei der vor einer Woche einer ihrer Führer getötet wurde. Der Chef des israelischen Geheimdiensts Shin Beth warnte unterdessen vor einer zunehmenden Gewaltbereitschaft auch unter den Siedlern und anderen strenggläubigen Juden.

Gefahr der Radikalisierung

Shin-Beth-Chef Avi Dichter habe in einer Kabinettssitzung am Sonntag auf die Gefahr einer Radikalisierung im Zusammenhang mit der geplanten Auflösung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen hingewiesen, verlautete aus Regierungskreisen. Dichter habe berichtet, dass militante Juden in Jerusalem einen Offizier angegriffen hätten, weil dieser bei der Zerstörung einer Synagoge in einer illegalen jüdischen Siedlung mitgewirkt habe. Israel ist durch den internationalen Friedensplan Roadmap zur Zerstörung der illegalen Siedlungen verpflichtet.

Angst vor Attentat

Israelische Sicherheitsbeamte sagten der Nachrichtenagentur AP, ihre Hauptsorge sei ein politisch motiviertes Attentat. 1995 war der damalige israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin von einem ultranationalistischen Israeli ermordet worden, der einen Friedensschluss mit den Palästinensern durch Rückgabe von besetztem Land verhindern wollte. Der amtierende Ministerpräsident Ariel Sharon will den Gazastreifen komplett räumen.

Bus angegriffen

Nach den tödlichen Schüssen auf den jüdischen Siedler nahe Dschenin griffen Extremisten nach Militärangaben einen Bus zwischen den Siedlungen Kadim und Ganim an. Weiter seien Arbeiter in Kadim beschossen worden. Nahe Nablus erschossen israelische Soldaten einen Mann, der Wachleute einer jüdischen Siedlung angegriffen hatte. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich bei dem Angreifer um einen örtlichen Führer des Islamischen Dschihad.

Ein Palästinenser getötet

Im Flüchtlingslager Balata bei Nablus erschossen israelische Soldaten am Samstag einen 20-jährigen Palästinenser. Außerdem wurde am Sonntag nach einem Bericht des israelischen Rundfunks der Fahrer eines Kleinbusses erschossen, der westlich von Jerusalem eine Aufforderung zum Anhalten missachtete.

Trotz der jüngsten Razzien im Gazastreifen wurden erneut israelische Ziele von dort aus mit Raketen beschossen. Ziele der insgesamt vier Geschosse waren am Sonntag nach Militärangaben eine jüdische Siedlung in Gaza sowie die Grenzstadt Sderot, wo in der vergangenen Woche zwei Einwohner tödlich getroffen wurden.

Der neue Raketenangriff erfolgte kurz vor der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem, auf der die Regierung über die Lage im Gazastreifen beraten wollte. Am Samstag wurden in Beit Hanun, im Norden des Gazastreifens, ein neunjähriger Junge und ein 16-jähriger Jugendlicher von israelischen Soldaten erschossen. Damit stieg die Zahl der Palästinenser, die seit dem ersten Angriff auf Sderot in Beit Hanun getötet wurden, auf sechs. (APA)

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    Rettungskräfte und Sicherheitsleute untersuchen das Fahrzeug des jüdischen Siedlers nach dem Schussattentat.

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