Was Susanne Riess-Passer nicht gelang, soll Haiders Schwester schaffen

4. Juli 2004, 19:19
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Haubner hat nicht die allerbesten Startbedingungen

Wien - Ursula Haubner ist die zweite Frau, die versucht, die FPÖ als Obfrau zu einen. Was Susanne Riess-Passer nicht gelang, soll nun die Schwester von Jörg Haider schaffen. Die von vielen mit dem Attribut der Parteimutter versehene Oberösterreicherin hat dabei nicht die allerbeste Ausgangsposition. Eine erstarkte Rechte konnte sie nur damit einfangen, dass dem Wiener Landeschef Heinz-Christian Strache der stellvertretende Vorsitze übergeben wurde. Die Flügelkämpfe sind damit wohl nur fürs Erste befriedet. Noch dazu, wo Haubner am Parteitag mit 79 Prozent im Vergleich zu ihren Vorgängern ein bescheidenes Ergebnis erzielte.

Haubner, 58, und in die hohe Politik erst 1997 als oberösterreichische Landesrätin eingezogen, gilt als patente und versierte Sozialpolitikerin. Vor allem beim Kindergeld aber auch bei der Elternkarenz hat sie sich als Sozial-Staatssekretärin mit mehr oder weniger Erfolg dafür eingesetzt, die Rechte der Arbeitnehmer gegenüber den Dienstgebern zu stärken.

Nichts nach außen dringen lassen

Laute Worte verwendet Haubner dabei fast nie, auch nicht, wenn es um Parteiagenden geht. Ein Machtwort nach außen wurde von ihr nie gehört, und das, obwohl sie nun schon seit geraumer Zeit als geschäftsführende Obfrau einer zerstrittenen Truppe agierte. Nur nichts nach außen dringen lassen, dürfte wohl eines ihrer Mottos lauten. Diese Art, ihre Freundlichkeit und ihre Zähigkeit haben sie bisher davor bewahrt, in den seit Jahren tobenden Flügelkämpfen zerrieben zu werden.

Die Treue zum "kleinen Bruder"

Einem ist Haubner dabei stets treu, ihrem "kleinen" Bruder Jörg: Bereits zum Amtsantritt als Staatssekretärin stellte sie klar: "Er soll wissen, ich bin eine verlässliche Partnerin". Zu ihrem unterschiedlichen Auftreten meinte sie einmal: "Ich bin gar nicht das Gegenteil. Wir sind nur unterschiedlich in der Wahl unserer Ausdrucksmittel". Und wenn es zählt, kann sich Haider auch auf sie verlassen. Beim von ihm in die Wege geleiteten Delegierten-Treffen von Knittelfeld, dem wahren Ende von Schwarz-Blau I, stand Haubner an vorderster Front.

Eine der Gemäßigten

Heute, knapp zwei Jahre später, gilt Haubner als eine der Gemäßigten in der Partei. Gemeinsam mit Vizekanzler Hubert Gorbach hat sie dazu beigetragen, der FPÖ in der Regierung eine gewisse Stabilität zu geben, ehe nach der Wahlschlappe bei der EU-Wahl der Deckel wieder einmal hochging. Das Minus von 17 Prozentpunkten und die Niederlage der von der Parteiführung an die Spitze der Liste gesetzten Hans Kronberger und Franz Grossmann haben auch bei Haubner einige Kratzer hinterlassen. Trotzdem war sie in der derzeitigen Situation wohl die einzige, auf die man sich in der Partei noch verständigen konnte.

Haubner wurde am 22. Dezember 1945 in Bad Goisern in Oberösterreich geboren. 1963 maturierte sie an der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe in Bad Ischl. Zwei Jahre später wurde sie hauswirtschaftliche Lehrerin. Ihre politische Karriere begann Haubner auf kommunaler Ebene in Bad Hall, wo sie 1991 Mitglied des Gemeindevorstands wurde. 1994 bis 1996 gehörte sie auch dem Bundesrat an. 1996 zog Ursula Haubner als freiheitliche Abgeordnete in den oberösterreichischen Landtag ein, im November 1997 wurde sie FPÖ-Landesrätin. Am 28. Februar 2003 wurde sie schließlich als Staatssekretärin im Sozialministerium nach Wien beordert und am 20. Oktober des Vorjahres wurde sie zur geschäftsführenden FPÖ-Obfrau bestellt. (APA)

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    Mit 79 Prozent errang sie um 8,8 Prozentpunkte weniger Stimmen als vor zwei Jahren Herbert Haupt.

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