Verfahren gegen iranischen Reformer Aghajari wieder aufgenommen

4. Juli 2004, 19:41
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Blasphemie-Vorwürfe abgeschwächt

Teheran - Im Iran wird seit Samstag wieder gegen den reformorientierten Wissenschafter Hashem Aghajari verhandelt. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft verlas in Teheran die 21 Seiten lange Anklageschrift. Dem Akademiker wird vorgeworfen, er habe "heilige religiöse Grundsätze und den Islam" beleidigt, Propaganda gegen die Regierung betrieben und falsche Informationen verbreitet. Bei einer Verurteilung drohen Aghajari bis zu zehn Jahre Gefängnis. Er habe eine Menge darüber zu sagen, was er in den vergangenen zwei Jahren durchgemacht habe, sagte der Universitätsprofessor nach dem Gerichtstermin.

Keine Todesstrafe für Aghajari

Der Richter Mohammed Eslami bestätigte, dass die Justiz alle Vorwürfe gegen den Reformer fallen gelassen habe, die zur Verhängung der Todesstrafe führen könnten. Aghajaris Ehefrau Sahra Behnoudi sagte nach der Anhörung, die Anklagepunkte seien immer noch "sehr schwer". Der nächste Gerichtstermin wurde für kommenden Montag angesetzt.

Aghajari war im November 2002 zum Tode verurteilt worden, weil er für eine "religiöse Erneuerung" des Schiitentums plädiert hatte. Dem Urteil waren tagelange Studentenproteste gefolgt. Im Mai dieses Jahres hatte dasselbe Gericht das Urteil in einer Berufungsverhandlung bestätigt; das Oberste Gericht hob das Urteil jedoch Anfang des Monats auf und verfügte einen zweiten Berufungsprozess vor einem Teheraner Gericht. Der Wissenschafter sitzt seit August 2002 im Gefängnis. (APA/AFP)

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