Mladic könnte sich Haager UNO-Tribunal stellen

4. Juli 2004, 19:14
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Verteidigungsminister Davinic: Politischer Wille vorhanden

Belgrad - Die serbisch-montenegrinische Bundesregierung schließt nicht aus, dass sich der als Kriegsverbrecher gesuchte frühere bosnisch-serbische Militärchef Ratko Mladic dem Haager UNO-Tribunal stellt. Der politische Wille zur Lösung des Falls sei vorhanden, sagte Verteidigungsminister Prvoslav Davinic in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Belgrader Zeitung "Blic". "Ich würde die Möglichkeit nicht ausschließen, dass er (Mladic) sich stellt", erklärte Davinic.

Das Haager Tribunal hat in Belgrad wiederholt auf die Festnahme von Mladic gedrungen, dessen Aufenthaltsort die UNO-Vertreter in Serbien vermuten. Die serbischen Behörden haben hingegen erklärt, der Gesuchte halte sich nicht dort versteckt. Davinic räumte ein, es gebe Probleme bei der Suche nach Mladic. Er betonte aber zugleich, "Entschlossenheit und Koordination" sei nötig, um den Fall abzuschließen. Die Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal bezeichnete Davinic als internationale Verpflichtung Serbien-Montenegros. Die Schweizer UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte hatte zuletzt erklärt, dass sie nach der Wahl des neuen serbischen Präsidenten Boris Tadic auf eine bessere Kooperation der lokalen Behörden mit dem Kriegsverbrechertribunal hoffe.

Der internationale Sonderstrafgerichtshof für das frühere Jugoslawien hatte 1995 Anklage gegen Mladic wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben. Er wurde zusammen mit Radovan Karadzic angeklagt, dem ebenfalls untergetauchten ehemaligen Präsidenten der bosnischen Serben. (APA/AP)

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