Anwalt Saddam Husseins beklagt Kontaktverbot

4. Juli 2004, 10:24
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Gaddafis Tochter will Saddam Hussein verteidigen - Rechtsanwälte-Team erhielt angeblich Morddrohungen

Amman - Der Verteidiger des irakischen Ex-Staatschefs Saddam Hussein hat beklagt, dass ihm die USA und die neue Bagdader Führung den Kontakt mit seinem Mandanten verwehren. So sei Saddam Hussein bei seiner Anhörung vor dem Sondertribunal am Donnerstag ohne jegliche Rechtsvertretung geblieben, sagte der jordanische Jurist Mohammed Rashdan dem am Montag erscheinenden deutschen Nachrichtenmagazin "Focus". Und bei dem bisher einzigen gestatteten Brief an seine Familie habe die Militärzensur nur 17 von hundert Wörtern durchgehen lassen.

Der Jordanier leitet das Anwaltsteam, das den Ex-Diktator verteidigen soll - dem Team soll auch eine Tochter des libyschen Revolutionsführers Muammar Gaddafi angehören.

Redeerlaubnis

Rashdan, der von Saddams Ehefrau Sajida Khairallah beauftragt wurde, machte seine Teilnahme an dem geplanten Prozess gegen den gestürzten irakischen Präsidenten davon abhängig, dass er zuvor die Erlaubnis bekomme, mit seinem Mandanten zu reden. "Ich habe monatelang versucht, mit ihm in Kontakt zu treten", sagte er. Sogar an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe er geschrieben, doch habe dieser dann den Erhalt des Briefes bestritten. "Die Amerikaner lügen am laufenden Band", fügte Rashdan hinzu.

Will Übergangsregierung das Recht absprechen, Sondertribunale einzuberufen

Dass der Irak von US- und anderen Truppen überfallen worden sei, ändere im Übrigen nichts daran, dass Saddam Hussein rechtlich gesehen immer noch Staatsoberhaupt sei. Die neue irakische Führung, von der viele Mitglieder eine doppelte Staatsbürgerschaft besäßen, sei nicht durch Wahlen legitimiert. Sie habe auch kein Recht, Sondertribunale einzusetzen. Der Advokat kündigte an, in dem Prozess auch die Frage nach dem Krieg zu stellen. Geklärt müsse werden, ob eine Supermacht das Recht habe, die Regierung eines anderen Landes aus dem Amt zu jagen.

Gaddafi-Tochter will Team verstärken

Eine Tochter des libyschen Revolutionsführers Muammar Gaddafi will als Rechtsanwältin den gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein vor Gericht verteidigen. Aisha Kaddari wird zum dem Team von 20 Anwälten der Verteidigung stoßen, teilte der jordanische Teamleiter Mohammed Rashdan am Samstag in Amman mit.

Die Gaddafi-Tochter besitzt einen Doktortitel der Rechtswissenschaften. Zu der Gruppen gehören außer arabischen auch britische und französische Anwälte. Rashdan sagte, man bemühe sich weiterhin um eine Lösung des Sicherheitsproblems für die Verteidiger, nachdem das Team Morddrohungen erhalten habe.

Zu dem Advokaten-Team gehört auch der französische Star-Anwalt Jacques Vergès, der unter anderen den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, und den Top-Terroristen Illich Ramirez Sanchez, genannt Carlos, verteidigt hatte. Der Sohn eines Franzosen und einer Vietnamesin gilt als Spezialist für "aussichtslose" Fälle. (APA)

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