"Der Appartement-Schreck": Nachbarn und Nachteile

26. März 2005, 23:04
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Danny DeVitos giftige Komödie "Der Appartement-Schreck" mit Ben Stiller und Drew Barrymore

Wien - Toleranz ist ein Wert, der sich aus sicherer Entfernung recht einfach aufrechterhalten lässt. Je größer jedoch die Nähe zum tolerierten Anderen, desto mehr wird daraus eine Probe: Lässt sich die liberale Gesinnung auch dann noch wahren, wenn beispielsweise schon die eigene Freiheit beeinträchtigt wird?

Danny DeVitos neuer Film Duplex/Der Appartement-Schreck nutzt diese Fragestellung als Ausgangspunkt einer misanthropischen Komödie. Alex (Ben Stiller) und Nancy (Drew Barrymore), ein jungvermähltes Paar, finden nach langer Suche ihre Traumwohnung, ein etwas altertümlich wirkendes Appartement: gute Lage, mehrere Feuerstellen, selbst der Mietpreis ist unüblich romantisch.

Der einzige Makel: Mrs. Connelly (Eileen Essel), eine freundlich wirkende alte Frau, die das Obergeschoß - durch Mietpreisbindung besonders günstig - auf Lebenszeit benützen darf. Er scheint unbedenklich. Weiß man allerdings um DeVitos Faible für soziale Ausnahmesituationen - der mörderische Ehekrieg in The War of the Roses, die tyrannische Mutter in Throw Momma from the Train -, dann ist schnell klar, dass auch diese schrullige Irin noch für einige Überraschungen gut ist.

Es beginnt mit kleineren Nachbarschaftsdiensten, die man einer alten Dame schwer ausschlagen kann - Reparaturen, Besorgungen, Mist ausleeren etc. Dann läuft in der Nacht ihr Fernseher so laut, dass die Wände wackeln. Und bald kommt Alex, als Schriftsteller ein Heimarbeiter, vor bleierner Müdigkeit um keine Zeile in seinem neuen Roman voran, während Nancy aus demselben Grund sogar ihre Arbeit verliert.

Peinliche Lagen

DeVito treibt den Nervenkrieg schonungslos in immer weitere, immer unwahrscheinlichere Höhen. Wobei er einerseits auf die Komikerqualitäten Stillers setzt, der derzeit wie kaum ein anderer die Figur des Zauderers beherrscht, der von einer peinlichen Lage in die nächste stürzt. Umgekehrt offenbart er in Mrs. Connelly allmählich den berechnenden Hausdrachen, der auf die Maßnahmen der Pärchens die meist nachdrücklichere Antwort weiß.

Zwar vermag bei weitem nicht jeder der Gags in Der Appartement-Schreck zu zünden. Doch DeVitos Unbarmherzigkeit ist groß genug - und sein Sinn für abstoßende, körperliche Zoten genügend ausgeprägt -, um dem Film solch erinnerungswürdige Szenen zu garantieren wie jene, in der eine erfolgreiche Wiederbelebung mit einem Mal wie ein sexueller Übergriff aussieht.

Die vielleicht bösartigste Facette dieser Komödie ist jedoch, dass hier niemand sympathisch aussteigt. Das tolerante Pärchen: Irgendwann scheint das Verbindende zwischen den beiden nur noch geteilte Mordlust zu sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.7.2004)

Von
Dominik Kamalzadeh

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  • Wiederbelebung, leider erfolgreich: Ben Stiller, Drew Barrymore und "Appartement-Schreck" Eileen Essel.
    foto: buena vista

    Wiederbelebung, leider erfolgreich: Ben Stiller, Drew Barrymore und "Appartement-Schreck" Eileen Essel.

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