Analyse: Was für wen spricht

4. Juli 2004, 22:50
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Vor der Entscheidung: eine kleine Analyse der Assets der Finalisten Portugal und Griechenland

Lissabon - Portugal gegen Griechenland heißt am Sonntag im Lissabonner "Stadion des Lichts" das Duell im Endspiel der Euro 2004. In der portugiesieschen Fußball-Bibel "A Bola" prangt auf der Titelseite schon ein überdimensionales "ALELUIA". Das Team von Trainer Luiz Felipe Scolari geht zwar als Favorit in die Partie, doch das taten gegen die Griechen schon so manche. Was spricht also für die eine bzw. die andere Mannschaft?

Vorteil Portugal:

  • AUSGEGLICHENHEIT: Im Kader sind keine gravierenden Schwachstellen auszumachen. Die ausgesprochene Dichte an erstklassigem Personal beschränkt sich nicht nur auf die Offensive und ermöglicht dem Coach ein hohes Maß an taktischer Flexibilität.

  • TRAINER: Luiz Felipe Scolari ist ein Mann, der im Laufe seiner Karriere schon zahlreiche Titel gewonnen hat. In seiner Heimat gilt der Brasilianer als vorzüglicher Coach für KO-Spiele. Der Weltmeister-Macher von 2002 analysiert das Spiel schneller als andere. Noch hat er keinen taktischen Fehler begangen.

  • CRISTIANO RONALDO: Dem 19-Jährigen eine grandiose Zukunft zu prophezeien, ist nicht mehr nötig. Der begnadete Dribbler von ManU hat sich auf höchstem Niveau bereits etabliert. Er fixierte gegen die Griechen den Endstand zum 1:2, war per Außenrist Assistent zum wichtigen 2:0 gegen die Russen und traf gegen die Niederländer zum 1:0 per Kopf.

  • LUIS FIGO: Der Kapitän und Altmeister lässt sich die Chance nicht mehr nehmen, 13 Jahre nach dem Junioren-WM-Titel im Da Luz an selber Stelle nun auch den ersehnten EM-Sieg zu feiern. Nach vier für seine Verhältnisse eher dezenten Auftritten kehrte der neben Eusebio populärste Sportler Portugals mit einer starken ersten Hälfte gegen die Niederlände ins Scheinwerferlicht zurück.

  • HEIMVORTEIL: Auf den Straßen tanzten die Menschen nach den Siegen ihrer Helden bis in den Morgengrauen Samba. Zehntausende eskortieren den Teambus zu den Stadien. Von der unbeschreiblichen Solidarität zeigen sich die Spieler tief beeindruckt. "Sie werden uns zum Triumph tragen", ist Scolari überzeugt.

    Vorteil Griechenland:

  • TRAINER: Otto Rehhagel ist der Fuchs unter den Teamchefs. Er hat aus dem griechischen Chaos eine Einheit gebildet und diese bisher immer richtig auf den Gegner eingestellt. Seine Taktik ist dabei zwar eher antik, doch sie bringt die Stärken der Griechen optimal zur Geltung. Die Aura, die "König Otto" ausstrahlt, lässt die Hellenen Berge versetzen und jeden mehr als das Maximum aus sich herausholen.

  • DEFENSIVE: Die Griechen verfügen über eine tadellose Abwehr, die kaum Fehler begeht. Dank der klaren Aufgabenverteilung mit Libero, Manndeckern und Absicherern geht die Übersicht und Organisation auch unter Druck kaum einmal verloren. Dank ihrer Ruhe am Ball können sich die Griechen aber auch immer wieder aus der Defensive lösen und geraten so selten unter anhaltenden Dauerdruck.

  • STÜTZEN: Abwehrchef Traianos Dellas und Kapitän Theodoros Zagorakis spielen eine herausragende EM. Die beiden bilden das Gerüst der Elf, sind in Zweikämpfen kaum zu überwinden. An ihnen kann sich der Rest des Teams aufrichten. Primär sind die beiden für defensive Aufgaben zuständig. Doch sie waren in Viertel- und Halbfinale auch offensiv effektiv. Zagorakis gab das Zuspiel zum Siegestor gegen Frankreich, Dellas war der Schütze des "Silver Goals" gegen Tschechien.

  • EFFIZIENZ: Kein Team holt aus so wenig Spielanteilen so viel heraus. Das hängt einerseits mit der Konterstärke der Griechen zusammen, andererseits mit ihrer Effizienz im Abschluss. Zum Auftakt gegen Portugal gingen sie schon nach sechs Minuten in Führung, gegen Spanien erzielte Angelos Charisteas mit der einzigen Torchance das 1:1. Gegen Frankreich waren die Hellenen nach der Pause kaum gefährlich, bis wiederum Charisteas nach einem der seltenen gelungen Offensiv-Spielzüge das Siegestor gelang. Und gegen Tschechien hatten die Griechen die erste Torchance in der Verlängerung, nach der zweiten hieß es 1:0.

  • AUSSENSEITERROLLE: Der ganze Druck lastet auf den Portugiesen. Die Griechen dagegen haben bereits durch ihren Finaleinzug gewonnen und werden in der Heimat schon jetzt wie "Götter der Moderne" gefeiert. Sie können völlig unbeschwert in das Endspiel gehen und locker auftreten. (APA/red)
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      Portugal gegen Portugal, die Zweite.

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