Anschlag im indischen Teil von Kaschmir

4. Juli 2004, 19:35
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Acht Tote - Behörden vermuten Racheakt muslimischer Separatisten - Sprengsatz im Handkarren eines Obstverkäufers

Srinagar - Knapp eine Woche nach der Aufnahme der ersten umfassenden indisch-pakistanischen Verhandlungen zur Lösung des Kaschmir-Konflikts sind im indischen Teil des Himalaya-Gebiets am Samstag bei Angriffen und Anschlägen acht Menschen getötet und 44 weitere verletzt worden. Die indische Polizei vermutete eine Racheaktion für eine Razzia gegen muslimische Rebellen als mögliches Motiv für einen Bombenanschlag in Srinagar, der Hauptstadt des Unionsstaates Jammu und Kaschmir, und einen Handgranatenangriff auf paramilitärische Einheiten in einem nördlich gelegenen Ort.

"Karren-Bombe" und Handgranaten

Auf einer von vielen Touristen besuchten Prachtstraße in Srinagar wurde ein im Handkarren eines Obstverkäufers versteckter Sprengsatz mit einem Zeitzünder in die Luft gejagt. Zwei Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet und 21 verletzt. Stunden später wurde in der 55 Kilometer nördlich von Srinagar gelegenen Stadt Anantnag eine Handgranate auf eine Gruppe von Paramilitärs geworfen. Drei Soldaten und 20 Zivilpersonen wurden verletzt, zehn davon lebensgefährlich. In einem entlegenen Gebirgsdorf 75 Kilometer nördlich von Srinagar wurden nach Angaben aus Militärkreisen drei Soldaten und drei Aufständische getötet.

Separatisten als Drahtzieher vermutet

Über das Motiv der Anschläge gab es zunächst nur Vermutungen. Einerseits verlautete aus ranghohen Polizeikreisen, es könnte sich um eine Racheaktion für einen Schlag gegen die militante Gruppe Lashkar-e-Tayyaba handeln. Am vergangenen Dienstag waren 20 mutmaßliche Mitglieder der Gruppe verhaftet worden, die nach Angaben der Polizei einen Anschlag auf die Börse planten. Zwei wurden bei der Aktion erschossen, als sie zu fliehen versuchten. Andererseits hieß es, separatistische Rebellen hätten zuletzt Anschläge auf Ziele intensiviert, die für den Tourismus wichtig sind. Die Himalaya-Region zieht derzeit die meisten Touristen seit Beginn der Rebellion militanter Muslime vor 15 Jahren an. Lashkar-e-Tayyaba hat aber erklärt, keine Anschläge auf ausländische Touristen zu verüben. (APA/AP)

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