Stadler: Partei muss wieder "Tritt fassen"

20. Juli 2004, 11:13
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"Nicht die Befindlichkeit des Koalitionspartners ist entscheidend" - Delegierte beschimpft Stadler

Linz - Volksanwalt Ewald Stadler hat die Delegierten des FP-Parteitags am Samstag aufgefordert, "dass jeder die Ärmel hochkrempelt und versucht, dass die Dinge in dieser Partei wieder in Ordnung kommen". Er selbst werde als in den Parteivorstand kooptierter Präsident der Freiheitlichen Akademie alles tun, "damit wir wieder auf Kurs kommen und Tritt fassen", kündigte Stadler in seiner knapp zehnminütigen Rede an.

"Ich bin kein Taliban"

Gleich zu Beginn versicherte Stadler unter dem Jubel der Delegierten, "ich vertrete hier keinen Flügel, ich vertrete auch keinen Geschichtsverein und ich bin kein Taliban - ich bin ein Freiheitlicher." Die FPÖ müsse daran gehen, jeden Zentimeter an verlorener Glaubwürdigkeit zurückzuerobern, forderte Stadler. So dürfe die Steuerreform nur ein erster Schritt gewesen sein, die "Flat Tax" müsse wieder zur Forderung der FPÖ werden. Auch in der Sozial- und Sicherheitspolitik ortet Stadler Defizite.

In den vergangenen drei Jahren habe es mehrere Versuche einer Kurskorrektur gegeben. "Wir haben es versucht und wir sollten weiter dran bleiben", so Stadler: "Nicht die Befindlichkeit des Koalitionspartners ist für uns entscheidend, ausschließlich die Befindlichkeit des Wählers, er ist für uns das Maß der Dinge."

Delegierte beschimpft Stadler

Unterbrochen wurde die Ansprache des Volksanwaltes von Parteiobmann Herbert Haupt, der nach Ablauf der fünfminütigen Redezeit das Schlusswort einforderte. Stadlers Fans im Publikum reagierten mit Pfiffen und verabschiedeten ihn nach etwa zehn Minuten mit Jubel und - ein kleiner Teil der Delegierten - mit Standing Ovations. Dass Stadler am Parteitag aber auch Gegner hat, zeigte sich, als ihn eine empörte Delegierte nach der Rede bei seinem Platz abfing und lautstark beschimpfte.

In der Debatte zuvor war einiges an Kritik, sowohl an der Parteiführung als auch an Stadler, laut geworden. So forderte der steirische Landesparteichef Leopold Schöggl ein Ende der öffentlichen Debatten und mehr Disziplin. Andere kritisierten die Regierungspolitik und warfen der Regierungsmannschaft "Abgehobenheit" vor. Der Antrag eines oberösterreichischen Delegierten auf Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag wurde aus Geschäftsordnungsgründen nicht zugelassen.

Leitner gegen Haubner

Als einziger Delegierter explizit gegen die Wahl Ursula Haubners zur Parteiobfrau sprach sich der Niederösterreicher Helmut Leitner aus. Er versicherte zwar, persönlich nichts gegen Haubner zu haben, glaubt aber, dass sie nicht die nötige Strahlkraft besitzt, um die Partei wieder auf Erfolgskurs zu bringen. (apa)

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    Ewald Stadler will in den Bundesparteivorstand.

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