Rattern wie ein schwerer Güterzug

7. Juli 2004, 13:36
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Im Untergrund wird die Dämmung des Lainzer Tunnels getestet - die Österreichische Forschungsinnovation ist weltweit im Einsatz

Wien - Das Gefährt, das aussieht wie ein Zwitter aus Pistenraupe und Traktor, stemmt sich im künftigen Lainzer Tunnel mittig auf einem riesigen Stempel in die Höhe, auf dass die mächtigen Reifen in der Luft wippen. Dann hebt ein Brummen und Vibrieren an - es macht Pause - schwillt wieder an.

Was hier im Untergrund künstlich generiert wird, sind die gleichen Schwingungen, wie sie in ein paar Jahren von einem schweren Güterzug ausgelöst werden. Diese vom "Schwingungsgenerator" ausgelösten Vibrationen werden gleich daneben gemessen. Aber auch einige Meter weiter oben in den Häusern.

Dämmenden Gummimatten

Derzeit testet die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für den Innenausbau des Lainzer Tunnels. Oder besser gesagt: für die Zulaufstrecken von und zu der Westbahn, die im Rohbau bereits fertig sind. Mithilfe dieser Versuche wird festgelegt, wie stark später einmal die "Gummifederung" unter den Geleisen im Lainzer Tunnel ausfallen wird. Die dämmenden Gummimatten werden unter den Betonblöcken ausgelegt, auf denen dann die Schienen verlegt werden.

Österreichische Forschungsinnovation weltweit im Einsatz

Diese Art der Voruntersuchung sei "eine österreichische Forschungsinnovation", wie Norbert Blaumoser von der Zentralanstalt erläutert. Der 15 Tonnen schwere und "VibroScan" genannte Schwingungsgenerator war und ist auch bereits weltweit im Einsatz. Sei es nun im Zuge der Bauarbeiten österreichischer Eisenbahntunnel, beim ausgesprochen heiklen Bau der U2-Wendeanlage unter dem Musikverein, bei italienischen, deutschen oder Schweizer Eisenbahnbauwerken - oder auf der Hongkonger Tsing Ma Brücke.

Während für die Zulaufstrecken des Lainzer Tunnels die Arbeiten also weiter auf Hochtouren laufen, fehlt immer noch ein Detail für das Gesamtbauwerk: Die Genehmigung für den Hauptstollen zwischen Wiental und Meidling. "Es gibt Signale aus dem Ministerium, dass wir den Bescheid noch im Sommer zugestellt bekommen", hofft Projektleiter Herbert Muchsel von der HL-AG. "Dann wären wir immer noch im Puffer, dass der Lainzer Tunnel 2012 fertig wird. Also gleichzeitig mit dem Wienerwaldtunnel." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 3/4.7.2004)

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    Während die Arbeiten auf Hochtouren laufen, fehlt immer noch ein Detail für das Gesamtbauwerk: Die Genehmigung für den Hauptstollen zwischen Wiental und Meidling

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