Im Weltraum künstlich beatmen

9. Juli 2004, 19:41
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Österreicher testen mit Esa den Notfall im schwerelosen Raum

Innsbruck - Zwei gängige Techniken zur künstlichen Beatmung wurden erstmals im schwerelosen Raum getestet. Und zwar von medizinischen Laien. Das Adama-Experiment (Advanced Airway Management) fand Anfang Juni über dem Nordatlantik statt, in einem Airbus A-300 der Europäischen Weltraumbehörde Esa, der speziell für "Parabelflüge" zum Erzeugen von Schwerelosigkeit adaptiert ist. Durchgeführt wurde es von einem vierköpfigen Wissenschafterteam mit österreichischer Beteiligung in Kooperation mit der Medizinischen Universität Innsbruck.

Die Erkenntnisse sollen auf Erden Impulse bieten für die Notfallbeatmung auf engem Raum, etwa bei Bergungen im Gebirge oder in Stollen. Zudem seien sie für "einen bemannten Flug zum Mars" oder "für künftige touristische Raumflüge wichtig", meinten der Innsbrucker Astrophysiker und Notfallsanitäter Gernot Grömer und der Salzburger Weltraumjurist beim Esa-Forschungsinstitut in Frascati, Alexander Soucek. Mit ihnen an Bord des Flugzeugs waren eine spanische Telekommunikationsfachfrau und ein dänischer Elektroingenieur.

Beide Intubationsmethoden, die klassische endotracheale, bei der ein Tubus durch den Mund über die Stimmbänder in die Luftröhre geschoben wird, und die Beatmung mittels Gesichtsmaske (ProSeal Larynxmaske) können "bei guter Schulung auch von Laien erlernt werden", sagte der Anästhesist an der Uni-Klinik für Intensivmedizin, Christian Keller.

Zu 40 Prozent wurden beide Intubationstechniken, die an einer Beatmungspuppe durchgeführt wurden, erfolgreich angewandt, hieß es am Freitag in Innsbruck. "Für Laien, die unter schwierigen Bedingungen gearbeitet haben und nur einen Crashkurs absolviert hatten, eine hohe Erfolgsrate", freut sich Keller.

In nur 25 Sekunden musste eine Intubation gelingen. Länger kann ein schwereloser Zustand auf der Erde nicht erzeugt werden. Der Parabelflug beginnt auf etwa 6000 Metern Flughöhe. Bei vollem Triebwerksschub wird die Maschine steil, in einem Winkel von 47 Grad, nach oben gezogen, auf 7600 Metern wird der Schub fast völlig zurückgenommen: Das Flugzeug geht in freien Fall über - es fliegt nicht mehr, es fällt tatsächlich. Damit beginnt der schwerelose Zustand. 90 Parabeln wurden beim Adama-Experiment geflogen, in einer Flugzone, die für die restliche Flugfahrt gesperrt ist. (bs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4. 7. 2004)

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