Konjunktur kommt endlich in Fahrt

18. Juli 2004, 18:36
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2004 und 2005 soll das BIP-Wachstum wieder auf 1,7 bis 2,5 Prozent zulegen. Der Wermutstropfen dabei: Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, das Budgetdefizit steigt sogar

Wien - Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS) sind optimistisch, dass die seit drei Jahren herbeibeschworene Wirtschaftserholung nun tatsächlich einsetzen wird. Von einem dynamischen Aufschwung oder gar Boom will freilich niemand reden, denn das für heuer und 2005 erwartete Wirtschaftswachstum von 1,7 beziehungsweise 2,5 Prozent reicht nicht aus, um die Arbeitslosigkeit oder die Verschuldung zu reduzieren.

Im Gegenteil: Auch aufgrund der Steuerreform fehlen Finanzminister Karl-Heinz Grasser heuer rund drei und 2005 sogar rund vier Milliarden Euro im Budget. Das Defizit in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) von 1,2 auf 1,7 Prozent.

Die positive Nachricht ist, dass sich durch die Steuerreform der private Konsum wieder etwas belebt und mit einem Wachstum im kommenden Jahr um 2,5 Prozent erstmals seit vier Jahren wieder den langjährigen Durchschnitt erreicht. Die Hälfte des zusätzlich verfügbaren Einkommens wird jedoch gespart, das Konsumentenvertrauen müsse sich erst wieder festigen. Hauptantriebskraft für die Konjunkturerholung ist denn auch der Export.

Vom kräftigen Wirtschaftswachstum in den USA und Asien profitiert vor allem die deutsche Exportwirtschaft und von dieser indirekt die heimische Industrie. Daher lag das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal noch deutlich hinter jenem der Eurozone, auf Jahressicht gesehen holt Österreich aber auf.

Mangel an Zukunftsinvestitionen

Für die Jahre 2004 und 2005 liegt Österreichs Wirtschaftswachstum im Durchschnitt der Eurozone, etwas über dem Wachstum Deutschlands, aber weiterhin klar hinter den beiden "europäischen Wachstumspolen" Skandinavien und Osteuropa. Im Gespräch mit dem STANDARD macht Wifo-Industrieexperte Karl Aiginger dafür vor allem den Mangel an Zukunftsinvestitionen in Österreich verantwortlich. Aiginger: "Dänemark, Schweden und Finnland wachsen auf US-Niveau um gut einen Prozentpunkt schneller als Österreich. Diese Länder haben auch ihre Ausgaben für Forschung, Bildung und Weiterbildung auf US-Niveau. Hier wären neue, innovative Ansätze gefragt."

Auf dem Arbeitsmarkt werden zwar heuer und 2005 rund 50.000 neue Jobs (plus 1,5 Prozent) geschaffen. Das Angebot an zusätzlichen Arbeitskräften - vor allem aus Nicht-EU-Staaten - ist aber höher, sodass die Zahl der Arbeitslosen auf dem derzeitigen Niveau von rund 240.000 konstant bleibt. Die Inflation steigt aufgrund der hohen Ölpreise, bleibt aber unter zwei Prozent. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.7.2004)

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