Rinks, lechts, national, sozialliberal

4. Juli 2004, 17:37
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Wie der der Parteihistoriker Lothar Höbelt die Lager der FP sieht: Ewald Stadler als "Linksüberholer"

Wien - Eine paradoxe Situation verbirgt sich für den Historiker Lothar Höbelt hinter dem immer wieder genannten Begriff des "nationalen" oder auch "rechten" Flügels in der FPÖ: Tatsächlich handle es sich bei Ewald Stadler eher um einen "Linksüberholer".

Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstag etwa habe der Volksanwalt sehr oft das Wort "sozial", nie aber das Wort "deutsch" gebraucht. Symptomatisch ist für Höbelt der Befund einer deutschen Kollegin: "Da erinnert mich alles an die PDS."

Höbelt selbst meint: "Von wegen nationales Lager. Das ist ein Linksüberholer. Punkt. Aus." Überhaupt sei die "alte Frage", ob die Österreicher nicht doch Deutsche seien, heute nicht mehr so relevant.

Für Höbelt ist die Bruchlinie innerhalb der Freiheitlichen anders definiert. Als "nationales Lager" hätten sich immer jene verstanden, "die von sich behauptet haben, wir sind die Fußtruppen, wir sind der Kern, der läuft". Den Personen in der Regierung werde vorgeworfen, sie seien liberal, sie regierten auf Kosten des Fußvolkes. Das Muster dabei sei nicht neu, derartige Vorgänge habe es bei den Freiheitlichen und ihren Vorgängern schon immer gegeben.

Inhaltliche oder ideologische Zuordnungen seien in diesem Muster nur "Vexierbilder", die in die Irre führen, glaubt Höbelt. Norbert Steger etwa, dem vorgeworfen wurde, er sei zu liberal, sei vielmehr ein "milder Sozialdemokrat" gewesen. Und die nunmehr auftretende Gruppe um Andreas Mölzer und Stadler stehe nicht rechts, sondern in neun von zehn Fällen links.

Den Grund für die Verschiebung sieht Höbelt im Alter der handelnden Personen, die zur Kreisky-Zeit soziale Werte gelernt hätten. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.7.2004)

  • Verpasst Stadler ein linkes Etikett: Höbelt.
    foto: cremer

    Verpasst Stadler ein linkes Etikett: Höbelt.

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