"Ma!"

22. Juli 2004, 10:50
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Der Sprachgebrauch von Neo-Justizministerin Karin Miklautsch - von RAU

Die Dialektforschung hat in Österreich eine lange und ehrenvolle Geschichte. Schon 1800 erschien "Mundart der Österreicher oder Kern aller österreichischen Phrasen", 1825 in Hormayr's Archiv dann das "Wiener Idiotikon" (früher hießen Dialektwörterbücher "Idiotika"). Die wissenschaftliche Arbeit schreitet aber immer fort, und deshalb sollte man in modernere Editionen auch den Ausruf "Ma!" aufnehmen, zumal er nun durch die neue österreichische Justizministerin in den öffentlichen Diskurs Eingang fand.

Karin Miklautsch liebt das "Ma!" als Ausdruck von Überraschung und Verblüffung. So reagierte sie auf ihre Auswahl für die Position einer Ministerin (etwa im Sinne von "Ma, I pack's nit!"). Richtig berühmt wurde das "Ma!" der Justizministerin als ihre Reaktion auf Jörg Haiders Aufforderung "wir brauchen ein Boxenluder". Dialektforscher ans Werk! Was ist die Etymologie von "Ma!"? Eine Komprimierung von "Mein Gott"? Oder von "Maria!" (Betonung auf dem ersten "a")? Oder steht gar kein noch so rudimentärer Wortsinn dahinter, ist es nur die rurale Version von "Pfoah!"? Und, Frage an die Behavioristen: Wenn man sich das angewöhnt hat, kriegt man das je wieder weg? (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 3./4.7.2004)

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