Wenn der Zufall seinen Lauf nimmt

4. Juli 2004, 18:38
posten

Der österreichische Internationale Volkan Kahraman kickt in der griechischen Liga

Wien/Xanthi - Volkan Kahraman wird immer wieder an Pasching erinnert. Das Stadion in Xanthi ist genauso groß, im Schnitt kommen 4500 Zuschauer zu den Ligaspielen, die Fans sind anderswo, nämlich in Athen, fanatisch. "Das Niveau der Partien ist mit dem in Österreich vergleichbar." Nur dass Griechenland im Finale der EM steht, ein bisserl ein Unterschied muss sein.

Kahraman (24) arbeitet seit Jänner in Xanthi. Gemeinsam mit Enrico Kulovits, der kam vom GAK. Das Städtchen liegt im Norden des Landes, Istanbul erreicht man per Auto in drei Stunden. Der Anteil der Türken liegt bei 40 Prozent, Xanthi ist kaum größer als die Addition von Pasching mit Tulln. Kahraman, der die österreichische und türkische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde fünfmal ins ÖFB-Team einberufen. "Deshalb bin ich mehr Österreicher." Als Bub kickte er bei Feyenoord, Pasching wurde auf den kreativen Mittelfeldmann aufmerksam, was wiederum der Wiener Austria aufgefallen ist, wo Kahraman wie viele andere auch gescheitert ist. In Salzburg gab es Wickel mit dem Trainer, Manager Max Hagmayr knüpfte Kontakte nach Griechenland. "Ich habe den Wechsel nicht bereut, sehe das nicht als Abstieg, sondern als Zwischenstation."

Den Finaleinzug Griechenlands hat er natürlich nicht erwartet. "Der große Vorteil war, dass sie nichts zu verlieren hatten. Es liegt an Trainer Otto Rehhagel. In Wahrheit spielen in Portugal keine typischen Griechen, das ist zu hundert Prozent ungriechisch. Normal sind die Leute eher gemütlich. Ein frühes Ausscheiden hätte niemanden gestört."

Kahraman geht nicht davon aus, "dass der griechische Fußball in den nächsten 20 Jahren zur Weltspitze gehört. Im Nachwuchsbereich haben sie Probleme, Portugal ist Zufall und Rehhagel." Trainiert werde ähnlich wie in der Bundesliga. "Durch die Hitze ist es vielleicht eine Spur härter." Viele Klubs sind hoffnungslos verschuldet, bei Xanthi, in der abgelaufenen Saison Zehnter, "werden die Gehälter aber pünktlich bezahlt". Das liegt am Präsidenten, der ist Boss von Skoda-Griechenland.

Kahraman glaubt, dass Portugal am Sonntag Europameister wird. "Aber man darf nicht vergessen, dass sie gegen keine Griechen spielen." (DER STANDARD, Printausgabe, Thema, Samstag, 3. Juli 2004)

Christian Hackl
  • Artikelbild
Share if you care.