EU-Studie: Nirgends so wenig Schwarzarbeit wie in Österreich

14. Juli 2004, 11:18
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Größter Anteil am BIP in Griechenland, Italien und Beitrittsländern - Klassischer Schwarzarbeiter hat auch legale Arbeit

Brüssel - In keinem anderen EU-Land wird so wenig schwarz gearbeitet wie in Österreich. Dies ergibt eine am Freitag in Brüssel vorgestellte Studie im Auftrag der EU-Kommission. Demnach beläuft sich die Schwarzarbeit in Österreich nur auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), verglichen mit sechs Prozent in Deutschland. Schlusslicht ist Griechenland, wo mehr als ein Fünftel des BIP im informellen Sektor erarbeitet wird. Über 15 Prozent liegen auch fast alle EU-Beitrittsländer sowie Italien.

Bei dem von schwedischen und niederländischen Experten erstellten Bericht handelt es sich um die erste EU-weite Übersicht zum Phänomen Schwarzarbeit überhaupt. "Zum ersten Mal haben wir verlässliche statistische Informationen zur Verfügung", betonte Els van Winckel von der Generaldirektion Beschäftigung der EU-Kommission. Andere Methoden zur Berechnung von Schwarzarbeit seien problematisch, etwa jene des Linzer Universitätsprofessors Friedrich Schneider. "Nach Ansicht der meisten Experten ist diese Methode nicht zulässig, obwohl sie weit verbreitet ist", sagte Van Winckel. Schneider gibt den Anteil der Schattenwirtschaft am österreichischen BIP mit über zehn Prozent an.

In keinem der EU-Altmitglieder - mit Ausnahme Griechenlands und Italiens (16 bis 17 Prozent) - beträgt der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP mehr als 6,5 Prozent. Großbritannien und die Niederlande kommen jeweils auf zwei Prozent. Von den Beitrittsländern steht Zypern (4,2 Prozent) am besten da. Schlusslichter sind Litauen (15 bis 19 Prozent), Slowenien (17 Prozent) und Lettland (18 Prozent). Aus Malta, Spanien und Luxemburg lagen keine Daten vor.

Unterschiedliche Daten

Die Autoren der Studie wiesen darauf hin, dass die Daten auf unterschiedliche Weise erhoben worden seien und auch aus verschiedenen Jahren stammen. So basierten die österreichischen Daten auf Angaben der Statistik Austria aus dem Jahr 1995. Die einzelnen nationalen Statistikämter hätten aber versichert, dass sie immer noch aktuell seien, betonte Staffan Ivarsson vom schwedischen Forschungsinstitut Inregia.

Am weitesten verbreitet in der Baubranche

Am weitesten verbreitet sei die Schwarzarbeit in der Baubranche, gefolgt von Landwirtschaft, Gastronomie und Hotellerie sowie persönliche Dienstleistungen und häusliche Arbeit. Frauen seien dabei noch stärker benachteiligt als in der legalen Wirtschaft, betonte van Winckel. "Sie verdienen weniger und arbeiten länger in weniger attraktiven Jobs." Der klassische Schwarzarbeiter sei ein Mann im Alter von 25 bis 40 Jahren, der auch einen legalen Job in der gleichen Branche habe. "Man muss nämlich Kontakt zum legalen Arbeitsmarkt und zu Kunden haben, um auch schwarz zu arbeiten können", sagte Ivarsson.

Misstrauen gegenüber dem Staat

Als Faktoren, die Schwarzarbeit begünstigen, nannten die Experten fehlende Flexibilität am Arbeitsmarkt, hohe Steuer- und Abgabenbelastung und geringe Autorität der Behörden. In den neuen Mitgliedstaaten kämen als Folge des Kommunismus aber auch soziale Faktoren hinzu. "In diesen Ländern ist Schwarzarbeit oft gar nicht wirtschaftlich bedingt, sondern durch das Misstrauen dem Staat gegenüber", unterstrich Ivarsson. Daher werde es viele Jahre brauchen, um die informelle Wirtschaft zurückzudrängen.

Ein Patentrezept gegen Schwarzarbeit gebe es aber nicht, so Ivarsson. "Wir brauchen sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche", forderte er mehr Kontrollen durch die Behörden. Daneben müssten die Regierungen den Bürgern deutlicher vermitteln, wozu Steuern und Sozialabgaben gut seien. In diesem Sinne hob er die jüngste Pensionsreform in Schweden hervor, die durch die Einführung individueller Pensionskonten mehr Transparenz bringt. Van Winckel lobte zudem das belgische System von Dienstleistungsschecks, das sich als "äußerst erfolgreich" bei der Legalisierung von Heimhilfen und Putzfrauen erwiesen habe, sowie das deutsche System der "Minijobs".(APA)

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