Yukos-Konzern droht Insolvenzverfahren

20. Juli 2004, 10:53
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Gericht erklärt Einfrieren der Konten für rechtmäßig - Staat lehnt Sibneft-Anteile zur Schuldentilgung ab

Moskau - Ein Moskauer Gericht hat das Einfrieren mehrerer Konten des russischen Ölkonzerns Yukos für rechtmäßig erklärt und einen Einspruch des Konzerns abgelehnt. Die Entscheidung vom Freitag hindert den Konzern nach Angaben der Unternehmensführung daran, die massiven Steuernachforderungen der Finanzbehörden zu erfüllen. Damit steige die Gefahr, dass die Behörden Konzerneigentum beschlagnahmen könnten. Die Finanzbehörden hatten ihre Nachforderungen am Vortag verdoppelt.

5,6 Milliarden Euro Nachzahlung

Für die Jahre 2000 und 2001 muss der Konzern demnach insgesamt 197,4 Milliarden Rubel (5,6 Milliarden Euro) nachzahlen. Um die Steuerschuld zu begleichen, hatte Yukos den Behörden am Donnerstag seinen 35-prozentigen Anteil an dem Konkurrenten Sibneft angeboten. Der Wert dieses Aktienpakets übersteige die Gesamtheit der Steuernachforderungen inklusive Strafgebühren, erklärte Yukos. Die Behörden hätten jedoch abgelehnt.

Insolvenz steht im Raum

Wenn Yukos die Steuerschuld nicht binnen drei Monaten begleicht, droht ein Insolvenzverfahren. Der Kurs der Yukos-Aktien fiel am Freitag weiter, nachdem er am Donnerstag bereits um 15 Prozent nachgegeben hatte.

Gegen den früheren Yukos-Chef Michail Chodorkowski läuft vor einem anderen Gericht ein Prozess wegen Steuerhinterziehung und Betrugs. Chodorkowski wurde im Oktober vergangenen Jahres verhaftet. Die Vorwürfe der Justiz betreffen vor allem die Privatisierung eines Düngemittelbetriebs 1994. Kritiker sehen in dem Prozess einen Versuch des Kremls, die politischen Ambitionen des Milliardärs Chodorkowski zu stoppen. (APA/AP)

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