Börse: "Hausgemachter Erfolg"

19. Juli 2004, 16:45
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Börsevorstand Zapotocky: "Prinzip der Langsamkeit hat sich bewährt" - Ost-Fantasie lockte angelsächsische Investoren nach Wien

Wien - Der Erfolg, der erstmalige Anstieg des Leitindex ATX der Wiener Börse auf über 2.000 Punkte, ist aus Sicht von Börsechef Stefan Zapotocky in erster Linie "hausgemacht". Nicht zuletzt seien auch ausländische Investoren, vor allem aus dem angelsächsischen Raum, verstärkt in Wien aktiv geworden. Die mit dem EU-Beitritt von Ländern Mittel- und Osteuropas Anfang Mai einher gehende "Ost-Fantasie" habe dabei eine wichtige Rolle gespielt, meint der Börse-Vorstand. 80 Prozent der ATX-Titel seien im Osten aktiv.

"Auf Grund zahlreicher und nachhaltiger Aktivitäten ist es der Wiener Börse gelungen, ein positives Umfeld für den österreichischen Kapitalmarkt zu schaffen. In Kombination mit den hervorragenden Fundamentaldaten erntet nun die Wiener Börse AG die ersten Früchte ihrer Bemühungen", sagte der Börse-Chef bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz Freitagmittag in der Wiener Börse.

"Prinzip der Langsamkeit"

Das "Prinzip der Langsamkeit" des Börse-Managements habe sich bewährt, man habe auf "solides, beständiges und nachhaltiges Wachstum gesetzt" und erratische Schwankungen zu vermeiden versucht, meint Zapotocky. Im Mittelpunkt sei die stetige Steigerung des Werts der börsenotierten Firmen gestanden.

Den - früher öfter vorgebrachten - Vorwurf, der Wiener Markt sei illiquid, betrachtet Zapotocky als eindrücklich widerlegt. Die Wiener Börse verzeichne heute Tagesumsätze zwischen 130 und 200 Mio. Euro, die gesamte Marktkapitalisierung stieg auf aktuell 54 Mrd. Euro. Dieser Wert soll in den nächsten Jahren bis auf 75 Mrd. Euro weiter steigen. "Dann sind wir am unteren Rande dessen, was der europäische Durchschnitt ist", so Zapotocky. Er appellierte an heimische Investoren, diese Chance zu nutzen.

Aussichten sind gut

Die weiteren Aussichten sind gut: Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 auf Basis der Gewinne von 2005 seien die meisten ATX-Unternehmen noch immer günstig bewertet. Bis Jahresende rechnet Zapotocky noch mit 6 bis 8 Börsegängen, darunter auch aus "innovativen Sparten, die bisher nicht vertreten sind". Aus Kapitalerhöhungen seien dem Markt heuer schon 800 Mio. Euro neuer Mittel zugeflossen, insgesamt rechnet er mit einer Volumenszunahme um 2,5 Mrd. Euro im Jahr 2004. Er hoffe, dass auch die weitere Privatisierung der Telekom Austria (TA) über die Börse erfolge, sagte Zapotocky. Die TA sei ein Zugpferd für den gesamten Markt.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser versteht sich ebenfalls als Vater des Erfolgs. Heute sei "ein historischer Tag für die Finanzpolitik und den Finanzmarkt in Österreich". Das erstmalige Überschreiten der Indexmarke von 2.000 ATX-Punkten sei ein "klares Signal für den Wirtschaftsaufschwung, für mehr Beschäftigung und die Attraktivität des Standorts Österreich" nach der Steuerreform der Bundesregierung. Grasser berief sich dabei auf eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS), das einen Zusammenhang zwischen steigenden Börsekursen und Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszunahme herstellt.

Weiteres Volumen für den Kapitalmarkt erwarten Grasser und Zapotocky vom Zukunftsvorsorge-Produkt, das private Pensionsvorsorge mit Investitionen in den heimischen Kapitalmarkt verknüpft. Das Produkt werde ein ähnlicher Erfolg wie das Bausparen werden, ist der Finanzminister überzeugt. Bis Jahresende erwartet er einen Anstieg der derzeit 350.000 Verträge auf 600.000, das Volumen werde sich von 300 auf 600 Mio. Euro verdoppeln.(APA)

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    Den - früher öfter vorgebrachten - Vorwurf, der Wiener Markt sei illiquid, betrachtet Zapotocky als eindrücklich widerlegt

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