Medion-Einstieg bei Gericom doch weiter offen

9. Juli 2004, 11:04
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IR-Chef: Scheitern wäre aber nicht das Aus für Gericom - Klage von Medion noch nicht eingegangen

Nach dem Zerwürfnis des börsenotierten oberösterreichischen Notebookherstellers Gericom (Linz) mit dem deutschen Elektronikgroßhändler Medion (Essen) ist die Zukunft von Gericom offen. "Der Deal ist noch nicht komplett vom Tisch, beide Seiten hoffen noch auf den Weg der Verständigung", kommentierte Gericom-Investor Relations-Chef Ingo Middelmenne am Freitag auf APA-Anfrage entsprechende Medienberichte, wonach der Einstieg der Medion als gescheitert anzusehen sei. Eine "schnelle Einigung" wäre für beide Unternehmen "nicht von Nachteil", ein Rechtsstreit hingegen schon, so Middelmenne.

Kein Aus

Sollte der Deal dennoch scheitern, wäre das "für die Gericom mit Sicherheit nicht das Ende oder Aus", meint Middelmenne. Gericom verfüge "mittlerweile wieder über einen guten Liquiditätspolster", auch die Banken-Kreditlinien würden nicht vom Zustandekommen des Medion-Deals abhängen. 2003 hatte Gericom auf Grund eines schwachen Weihnachtsgeschäfts und mangelnden Währungsabsicherungen einen hohen Verlust verbucht.

Zwang

Medion hatte vor einer Woche angekündigt, von der Oberlehner Deutschland Beteiligungsgesellschaft von Gericom-Gründer, -Großaktionär und -Vorstandschef Hermann Oberlehner gerichtlich die Herausgabe des Aktienpakets von 24,9 Prozent an der Gericom AG erzwingen zu wollen. Eine Klage sei seines Wissens bisher nicht eingegangen, sagte Middelmenne heute zur APA.

Oberlehner hatte sich im März zum Verkauf dieses Aktienpakets an der seinerzeit angeschlagenene Gericom verpflichtet, im Gegenzug sollte Medion Synergien bei Vertrieb und Logistik schaffen. Medion sieht den Vertrag als zu 100 Prozent erfüllt an, Gericom ist hingegen anderer Meinung, Oberlehner hat daher bisher die Herausgabe seines Aktienpakets verweigert.

Fehler

"Bei Medion liegt offenbar kein Synergiebestreben vor", kritisierte Middelmenne. Medion habe "wichtige Vertrags-Punkte nicht eingehalten", die gewünschten Synergieeffekte etwa im After Sales- und Logistik-Bereich seien für Gericom "ein wesentlicher Bestandteil des Deals" gewesen. Gericom habe im Frühling bei der Partnersuche "nicht einfach einen Geldgeber, sondern einen starken Partner" gesucht.

Mitte März hatten Gericom und Medion mitgeteilt, dass Medion mit 24,9 Prozent bei Gericom einsteigen werde. Nach Angaben von Medion wurde der Verkauf dieses Anteils am 10,9 Mio. Euro betragenden gezeichneten Kapital der Gericom AG durch die Oberlehner Deutschland Beteiligungsgesellschaft vertraglich vereinbart. Oberlehner hatte Gericom 1990 gegründet und ging 1999 damit an die Börse. Seither ist er Vorstandsvorsitzender und über seine gleichnamige Beteiligungsgesellschaft auch Großaktionär. Nach der Transaktion hätte Medion 24,9 Prozent und die Oberlehner Privatstiftung noch 36,1 Prozent gehalten.

Ansage

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte heute unter Zitat auf Gericom-Aufsichtsratschef und Cross Holding-Vorstandsvorsitzenden Stefan Pierer berichtet, der Einstieg der Medion bei Gericom sei vorerst gescheitert. "Ich halte den Deal für geplatzt", so Pierer. Medion-Chef Gerd Brachmann solle sich von der Beteiligungsabsicht verabschieden oder versuchen, die Linzer Gericom ganz zu übernehmen. Dazwischen gebe es keine Alternative.

Laut Pierer habe Medion geplant, Gericom wie zuvor andere Firmen zu zerschlagen und anschließend als Tochterfirmen weiterzuführen, berichtet die "Süddeutsche" weiter. Oberlehner habe erklärt, er sei von Medion "in den Irrtum geführt" worden. Er habe Brachmann im März sogar die Option auf eine Mehrheit bei Gericom eingeräumt. Weil Medion das zweite Aktienpaket aber nicht mehr zum "Schnäppchenpreis" kaufen konnte, habe er daran kein Interesse gehabt. (APA)

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