Gusenbauer-Plädoyer für Ganztagsschule

16. Juli 2004, 15:32
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SP-Chef fordert "Platz zum Austoben" - ÖVP gegen "Schule a la Gusi"

Wien - Ein erneutes "Plädoyer" für die Ganztagsschule hält SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer anlässlich des Schulschlusses in Ostösterreich in einem Kommentar auf seiner Homepage "http://www.alfred-gusenbauer.at". Diese ermögliche eine vernünftige Durchmischung von Unterrichts- und Freizeitblöcken, erhöhe die Leistungsfähigkeit, mache die Förderung der Einzelnen möglich und schaffe Chancengleichheit. In den nächsten zehn Jahren will Gusenbauer 100.000 Ganztags-Schulplätze schaffen, der Besuch soll - im Unterschied zu früheren SPÖ-Modellen - aber auf freiwilliger Basis erfolgen. Zurückgewiesen wird die Forderung von der ÖVP.

Nach Ansicht Gusenbauers soll die Schule an fünf Tagen pro Woche von 08.30 bis 16.30 Uhr dauern, Unterricht und Freizeit würden sich in diesem Zeitraum abwechseln. Durch Ganztagsangebote würden sich mehr methodische, lerndidaktische und erzieherische Chancen bieten. "Kinder und Jugendliche lernen, in Zusammenhängen zu denken - vielleicht sogar früher und besser als so mancher konservativer Politiker in unserem Land", so Gusenbauer.

Den Schulen würden immer mehr Aufgaben übertragen, meinte der SPÖ-Chef und verwies neben Unterricht und Erziehung auf Suchtprävention und Gewaltvermeidung: "Keine Frage, dass dieses Pensum nicht in fünf Stunden am Tag bewältigt werden kann." Familienpolitisch mute es wiederum "absurd" an, dass die Ladenöffnungszeiten "rasch und ohne Rücksicht auf Verluste an die Arbeitszeiten und Gewohnheiten der Menschen angepasst wurden, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen aber weitgehend unbeeindruckt davon um 13 Uhr sperren".

Die Schulen will Gusenbauer für die Ganztagsangebote adaptieren: Es seien nicht nur Klassenräume notwendig, sondern auch eine Küche, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Ruheräume und "Platz zum Austoben". Bis zum Abschluss der baulichen Veränderungen sollten den Schulen daher 100 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung gestellt werden. Auch für Lehrer sieht der SPÖ-Chef Vorteile: Diese bekämen einen Arbeitsplatz mit moderner technischer Ausstattung und mehr Zeit für Vorbereitungen. Außerdem sei eine flexiblere Arbeitsteilung mit den Kollegen und verstärkte Teamarbeit möglich. Ihre Mehrstunden würden ihnen finanziell abgegolten.

Kritik an der "Schule a la Gusi" übte ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon. In einer "market"-Umfrage von Anfang des Jahres hätte sich eine klare Mehrheit der befragten Eltern für eine Betreuung am Nachmittag auf freiwilliger Basis ausgesprochen, nur eine Minderheit aber für verpflichtenden Unterricht. Es sei "symptomatisch für die Verfassung der großen Oppositionspartei SPÖ, dass auch im Schulbereich, der von Dynamik und Kreativität leben müsse, nur alte Hüte wie Ganztagsschule, Gesamtschule und Abschaffung der Noten propagiert würden" , so Amon: "Seit 40 Jahren fällt den Sozialdemokraten in diesem Bereich nichts Neues ein." (APA)

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