ATX: Verdoppelung nach 13 Jahren und 6 Monaten

19. Juli 2004, 16:45
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Im Durchschnitt 5,25 Prozent Kursplus pro Jahr - Lethargie nach Russlandkrise - Internet-Hype und folgenden Absturz ausgelassen - Seit Herbst 2002 steiler Anstieg

Wien - Auf den Tag genau 13 Jahre und sechs Monate benötigte der ATX für das erstmalige Überspringen der 2.000 Punkte-Marke. Damit gelang dem Leitindex der Wiener Börse, der mit einem Startwert von 1.000 Punkten per 2. Jänner 1991 ins Rennen geschickt wurde, eine Verdoppelung. Daraus errechnet sich ein durchschnittliches ATX-Kursplus von jährlich 5,25 Prozent. Nicht erfasst sind dabei Dividenden, deren Zahlungen in die Berechnung von Preisindizes wie den ATX - im Gegensatz zu Performance-Barometern wie den DAX - nicht einfließen.

Erste Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck verweist allerdings darauf, dass es sich dabei um einen Vergleich "Äpfel mit Birnen" handelt. Einerseits seien absolute Schwergewichte wie Telekom oder Erste Bank erst im Lauf der Jahre in den ATX gekommen, auf der anderen Seite sei es kurzfristig zu Umstellungen der Index-Berechnung gekommen. Für sinnvoller hält Mostböck einen Vergleich mit Oktober 2002, als der ATX zuletzt wieder zwischenzeitlich unter seinen Startwert absackte. Demnach hätte der Index weniger als zwei Jahre für eine Verdoppelung gebraucht.

Startzeitpunkt unglücklich

Der Startzeitpunkt 1991 erwies sich im Nachhinein als unglücklich, da er in die Abwärtsbewegung der Wiener Börse nach dem jahrelangen Anstieg in der zweiten Hälfte der 80er Jahre fiel. Der ATX ging erstmals auf Tauchstation und erreichte im Sommer 1992 seinen Tiefstwert bei 696 Punkten. Danach arbeitete er sich bis Sommer 1998 sukzessive auf knapp über 1.600 Zähler vor, bis die Finanzkrise in Russland für starke Kursverluste sorgte und den österreichischen Aktienmarkt auf Jahre in Lethargie verfallen ließ. Die stürmische Aufwärtsbewegung der Weltbörsen im Zuge des Internet-Hypes bis Frühjahr 2000 ging ebenso spurlos an der Wiener Börse vorüber wie der darauf folgende Kurssturz nach dem Platzen der Aktienblase.

Im Herbst 2002 setzte der ATX zu seinem steilen Aufstieg an und scheint seitdem nur noch eine Richtung zu kennen - die nach "Norden". Marktteilnehmer und Analysten verweisen zur Begründung seit längerem nahezu einstimmig auf zwei Gründe der zuletzt so positiven Entwicklung: Einerseits seien in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen der Wiener Börse konsequent verbessert und internationalen Standards angepasst worden. Zudem schlage sich nun die Ostfantasie, die auf die starke Verflechtung heimischer Unternehmen mit der überdurchschnittlich wachsenden CEE-Region zurückzuführen ist, nun sukzessive in den Unternehmensgewinnen nieder.(APA)

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