Grazer Wissenschafter bringen südsteirische Römersteine zum Sprechen

9. Juli 2004, 20:06
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Graz - Anlässlich der steirischen Landesausstellung über die Römer bringen zwei Grazer Wissenschafter alte Steine zum Sprechen: "Steine erzählen" lautet der Titel des Buches des Archäologen Erwin Pochmarski und seines Kollegen vom Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde der Universität Graz, Manfred Hainzmann. Darin wird in einer auch für Laien verständlichen Sprache die einzigartige Sammlung von 102 Reliefs und Inschriften vorgestellt, die in der Hofwand und im Innengang des ehemaligen Gerichtstraktes von Schloss Seggau eingemauert sind.

"Erzählende Steine" von Grabdenkmälern

Die Publikation über die Römersteine von Seggau wurde bewusst in einer leicht lesbaren Sprache verfasst und ist auf ein breites Publikum ausgerichtet, ohne dabei seinen wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren. Die in Wort und Bild präsentierten "erzählenden Steine" stammen großteils von Grabdenkmälern aus der Römerstadt Flavia Solva bei Leibnitz, aus der Zeit vom ersten bis zum vierten Jahrhundert nach Christus. In den Jahren 1816 bis 1827 wurde im oberen Schlosshof der alte Bergfried aus dem 11. Jahrhundert abgetragen. Er war zum Teil aus Römersteinen des nahen Municipiums Flavia Solva erbaut. Die schönsten Steine (etwa 100) wurden 1830 zu einer Schauwand, nach dem Vorbild der vatikanischen Lapidarien gestaltet.

Die Steine stammen größtenteils von antiken Gräbern. Viele Abbildungen zeigen Personen - "wohlhabende Männer und Frauen mit ihren Dienerinnen und Dienern, die ihren Status unterstreichen und der Nachwelt in Erinnerung bleiben wollten", erklärt Pochmarski. Es handle sich dabei um die ältesten bekannten Darstellungen von Menschen in der Südsteiermark.

Szenen der römischen Mythologie

Auf anderen Steinen sind Figuren und Szenen aus der griechischen und römischen Mythologie zu sehen. "Besonders beliebte Motive waren Dionysos (Bacchus), der Gott des Weines, und Poseidon (Neptun), der Meeresgott. Sie spielten bei Festen und Riten sowie in der Vorstellung der Menschen vom Jenseits eine wichtige Rolle", so der Archäologe.

Während Pochmarski die Reliefs beschreibt und sie vor dem Hintergrund des damaligen Lebens und Denkens erklärt, ist Hainzmann der Experte für die alten Inschriften. Er hat die schwer zu verstehenden Abkürzungen aufgelöst und präsentiert den LeserInnen die Inschriften im lateinischen Volltext mit einer Erläuterung. Sie erinnern an Verstorbene, berichten von Bitten, Gelübden und der Gnade der Götter oder sind Ehrbezeugungen für einen Kaiser. (APA)

Steine erzählen. Römische Steindenkmäler auf Schloss Seggau", Steirische Verlagsgesellschaft, Graz 2004, 112 Seiten, 9,90 Euro.
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