Novelle bei Fortpflanzungsgesetz

22. Juli 2004, 10:06
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"Blastozysten-Kultur"-Methode soll erschwert werden - MedizinerInnen protestieren gegen Vorhaben: Herkömmliche Methode weniger erfolgreich

Wien - Ein neuer Entwurf zum Fortpflanzungsgesetz erschwert ein laut MedizinerInnen sehr erfolgreiches In-vitro-Verfahren - die so genannte Blastozysten-Kultur. Dabei werden Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet, der "beste" Embryo wird für den Transfer ausgewählt, maximal zwei. Entstehen durch die Befruchtung jedoch mehr Embryonen als gebraucht werden, können die behandelnden ÄrztInnen laut dem neuen Absatz 3a des Paragrafen 22 strafrechtlich verfolgt werden, machten MedizinerInnen am Freitag auf einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam.

Der Vorarlberger Reproduktionsmediziner Univ.-Prof. Herbert Zech glaubt im APA-Gespräch, dass durch diese Novelle ÄrztInnen Angst haben werden, die Methode anzuwenden. "Denn bei einer 25-jährigen Patientin ist es leicht möglich, dass aus fünf befruchteten Eizellen vier Embryonen entstehen können", sagte Zech. Doch nur ein bis maximal zwei werden eingesetzt.

Erfolgreichere Methode

Die "Blastozysten-Kultur" ist laut dem Mediziner aber eine sehr erfolgreiche Methode. In einer Studie liegt der Erfolg bei 41 Prozent, im Gegensatz zu 25,6 Prozent der "alten" Methode. "Wir erreichen bereits 50 Prozent", erklärte der Reproduktionsmediziner.

Entscheidend ist, dass - im Gegensatz zu früher - fünf Tage gewartet wird, bis der Embryo das "Blastozystenstadium" erreicht hat. Laut Zech erfolgt nach dem Embryo-Transfer eine verbesserte "Synchronisation" zwischen Embryo und Gebärmutter. Laut dem Experten ist diese Methode besonders prädestiniert für Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, sowie nach mehrfach fehlgeschlagenen IVF-Versuchen (In-vitro-Fertilisation). Nicht eingesetzte Embryonen werden für ein Jahr eingefroren.

Befürchtete Konsequenzen

Wenn die Methode jedoch aus Angst einer Strafverfolgung nicht mehr angewandt wird, befürchten ExpertInnen, dass das die Halbierung der Schwangerschaftsraten, mehr Kostenaufwand sowie erhöhte physische und psychische Belastung für die Frauen bedeuten wird, hieß bei der Pressekonferenz.

Bei der "alten" Methode dürfen nur drei Eizellen bzw. Embryonen kultiviert werden. Daraus entstehen maximal drei Embryonen, die alle am zweiten oder dritten Tag - und damit vor dem Erreichen des Blastozystenstadiums - sofort transferiert werden müssen. Daraus resultieren unter anderem häufig Mehrlingsschwangerschaften. Diese Kinder sind meist Frühgeburten, haben häufig Probleme mit der Lunge oder Augen, unreife Herzen oder offenen Brüche wie Leistenbruch, erklärte Zech. (APA)

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