Privatisierungsprozess in Serbien stockt

2. Juli 2004, 14:20
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Im ersten Halbjahr nur 126 kleinere Unternehmen um insgesamt 58 Mio. Euro verkauft

Belgrad - Der Privatisierungsprozess ist in Serbien seit Jahresbeginn fast zum Stillstand gekommen. Eine offizielle Begründung dafür gibt es nicht, wenngleich der Regierungswechsel Anfang März und die danach folgenden Präsidentenwahlen wohl nicht folgenlos geblieben sind.

Laut offiziellen Angaben ist in den ersten sechs Monaten kein einziger Privatisierungstender für Großunternehmen ausgeschrieben worden. Lediglich 126 Klein- und Mittelunternehmen wurden bei Versteigerungen zum Gesamtpreis von 58 Mio. Euro verkauft. Genau so viele Firmen waren im Vorjahr in nur zwei Monaten privatisiert worden.

Privatisierungserlöse

Von den heuer verbuchten Privatisierungserlösen stammen nach Angaben der Tageszeitung "Vecernje novosti" allerdings 6,5 Mio. Euro aus vier Tendern, die großteils schon im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden. Weitere vier im Vorjahr ausgeschriebene Privatisierungstender - darunter auch für den Verkauf der Elektromotorenfabrik Sever, an der auch die steirische Firma ATB interessiert war - wurden von der Privatisierungsagentur, die nach dem Regierungswechsel eine neue Geschäftsführung bekommen hat, einfach annulliert.

In den letzten drei Jahren wurden an die 1.000 Unternehmen privatisiert, darunter 35 Großbetriebe. Die Regierung von Ministerpräsident Vojislav Kostunica rechnet für heuer mit Privatisierungseinnahmen in Höhe von 220 Mio. Euro. Laut "Vecernje novosti" wird diese Rechnung aber wahrscheinlich nicht aufgehen. Die bisher schlechten Privatisierungsergebnisse könnten in der zweiten Jahreshälfte noch durch den Verkauf des Staatsanteils am Mobilfunkbetreiber Mobtel nachgeholt werden, an dem mehrere ausländische Unternehmen ihr Interesse bekundet haben, darunter auch die österreichische Mobilkom. Allerdings ist die Frage der Besitzerverhältnisse bei Mobtel noch immer nicht ganz geklärt. (APA)

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