Fußball: Berlusconi landet TV-Coup

8. Juli 2004, 20:03
posten

Ministerpräsident will über sein Medien-Imperium Mediaset auch ins Pay-TV-Geschäft einsteigen - Millionen-Deal mit den Reichen der Liga

Zwei Euro. So billig können viele Italiener ab

kommendem September die Heimspiele der Fußballclubs Juventus Turin,

Inter Mailand und AC Milan im Fernsehen verfolgen. Das Angebot stammt

von keinem Geringeren als Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der

über sein Medien-Imperium Mediaset jetzt auch ins Pay-TV-Geschäft

einsteigen will.

Was zunächst kundenfreundlich aussieht, entpuppt sich bei näherem

Hinsehen jedoch als genialer Coup des gewieften Mailänder

Unternehmers. Beim Bezahlfernsehen Sky des Medienmoguls Rupert

Murdoch, das bisher sämtliche Fußballspiele der italienischen Liga

gegen gutes Geld übertrug, hängt der Haussegen schief.

Die Frage, die sich viele stellen, lautet: Wie konnte Berlusconi

es schaffen, trotz der nicht verstummenden Vorwürfe über seinen

"Interessenkonflikt" zwischen Politik und Meinungsvielfalt ein

weiteres Mal die Konkurrenz abzuhängen? Die Antwort: Er hat ein

weiteres Gesetz verabschiedet, das ihm geradezu in die Hände spielt.

Dank des neuen, lange umstrittenen und im April letztlich doch

verabschiedeten Mediengesetzes hat sich Berlusconi die

Übertragungsrechte im neuen digitalen Antennenfernsehen DVB-T

(Digital Video Broadcast-Terrestrial) gesichert.

Die reichen Klubs profitieren

Davon profitieren jedoch zunächst nur die drei ohnehin reichen

Klubs der ansonsten bankrotten italienischen Liga. Und dabei ist

Berlusconi auch noch stolzer Besitzer eines dieser Vereine - des

Meisters AC Milan. Durch die Übertragungsrechte im DVB-T sollen in

den nächsten drei Jahren 86 Millionen Euro in die Kassen der drei

Mannschaften fließen. "Aber unsere Türen sind offen, wir sind

natürlich bereit, auch Vertreter der anderen Serie-A-Clubs zu

treffen", hieß es aus Mediaset-Kreisen.

Die Sky-Macher versuchen den Mediaset-Vorstoß unterdessen

herunterzuspielen: "Wir blicken mit unveränderter Zuversicht in die

Zukunft, die Konkurrenz macht dem italienischen Pay-TV keine Angst.

Unser Angebot ist einzigartig was Vollständigkeit und Qualität

betrifft", heißt es. Nur: Bei Murdochs Sendern müssen die Kunden auf

Abos zurückgreifen, die zwischen 47 und 55 Euro monatlich kosten.

Dafür haben die Verbraucher zwar auch Kino- und Infokanäle im

Programm, jedoch sind die Italiener bekanntlich in erster Linie ein

fußballverrücktes Volk. Und bei Berlusconi brauchen sie lediglich

eine vorbezahlte Karte zu erwerben und müssen nur dann zwei Euro

berappen, wenn sie wirklich ein Spiel sehen wollen.

"Fast bewegungslose Taktik

Wieder einmal leer ausgegangen ist das staatliche RAI-Fernsehen,

das bei der Fußball-Übertragung auch künftig nicht mitmischen wird.

Die linke Regierungsopposition spricht von einer "kalten Dusche für

alle Hoffnungen auf Pluralismus". Ein Abgeordneter warf der RAI

zuletzt "eine viel zu abwartende, ja fast bewegungslose Taktik" vor.

Ob Berlusconis Rechnung aufgeht, bleibt jedoch abzuwarten. Denn

für den Empfang der Spiele benötigen die "Tifosi" einen Decoder, der

ab Ende 2006 die analogen terrestrischen Anlagen komplett ersetzen

soll. Für den Kauf des Geräts hat der Ministerpräsident in seinem

Haushaltsplan Subventionen von je 150 Euro für die ersten 900.000

Käufer veranschlagt - das macht insgesamt 135 Millionen Euro. Zum

Vergleich: Die staatlichen Schulen werden mit 75 Millionen Euro

unterstützt.

Bisher gingen 500.000 Decoder über die Ladentheken, bis Ende des

Jahres hoffen die Mediaset-Macher auf mindestens eine Million Kunden.

Da für die Inanspruchnahme der Subventionen jedoch der Nachweis über

die rechtmäßige Bezahlung der Rundfunkgebühren nötig ist, sind viele

Italiener aber zögerlich: Schätzungen zufolge bezahlt ein Drittel der

italienischen Haushalte die Gebühren nämlich nicht. (APA)

Share if you care.