Türkei: Drei Tote bei Autobombenexplosion

4. Juli 2004, 11:07
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Gouverneur entkommt unverletzt - Polizei verdächtigt kurdische Rebellen, diese weisen die Verantwortung jedoch zurück

Ankara - Bei einem Autobombenanschlag auf den Gouverneur der osttürkischen Provinz Van sind drei Menschen getötet und 24 weitere verletzt worden. Zuvor war von fünf Toten die Rede gewesen. Unter den Verletzten seien fünf Kinder, sagte Gouverneur Hikmet Tan am Freitag vor Journalisten. Er selbst blieb unverletzt. Die Polizei entschärfte nach eigenen Angaben kurz nach der Explosion einen zweiten Sprengsatz und machte kurdische Rebellen verantwortlich. Diese wiesen jedoch jede Verbindung mit dem Attentat zurück. Der Nachrichtensender CNN berichtete in seiner türkischen Ausgabe von einer Festnahme. Die Kurdenpolitikerin Leyla Zana verurteilte den Anschlag.

Der Gouverneur sagte dem Nachrichtensender NTV, die Bombe sei morgens in einem Auto im Zentrum der Provinzhauptstadt Van explodiert, als seine Fahrzeugkolonne vorbeigefahren sei. Dennoch habe der Anschlag nicht ihm persönlich gegolten, betonte Tan: "Er hat sich gegen die Bevölkerung von Van gerichtet." Zuvor hatte Tan dem Fernsehen gesagt, das Attentat habe "direkt" auf sein Auto gezielt.

Ferngezündete Bombe

Innenminister Abdulkadir Aksu sagte der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi, die Bombe sei ferngezündet worden. Bei den Opfern handle es sich um Passanten, die auf dem Weg zur Arbeit gewesen seien. Das türkische Fernsehen übertrug Bilder, auf denen panisch fliehende Passanten und offenbar völlig überforderte Polizisten zu sehen waren.

Der Anführer der kurdischen Rebellengruppe KONGRA-GEL, Zubeyir Aydar, wies jede Verbindung zu dem Anschlag zurück, wie die pro-kurdische Nachrichtenagentur Mesopotamia meldete. Auch die bewaffnete Rebellengruppe HPG stritt in einer Erklärung an die Agentur eine Beteiligung ab. Zuvor hatte die Polizei aufständische Kurden für den tödlichen Anschlag verantwortlich gemacht. Die KONGRA-GEL ist die Nachfolgeorganisation der Rebellengruppe PKK.

In Kurdengebieten gelegen

Van liegt in den Kurdengebieten im Osten der Türkei. Die Region war lange Zeit Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und der PKK. Ende Mai hatte KONGRA-GEL nach fünf Jahren ihren Waffenstillstand aufgekündigt und mit Angriffen gedroht. Seitdem haben sich die Auseinandersetzungen in der Region wieder verschärft.

Erst am Montag waren drei türkische Soldaten bei einer Minenexplosion in der Nähe von Gürpinar, rund 20 Kilometer südlich von Van, ums Leben gekommen. Zwischen 1984 und 1999 starben bei den Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und der Armee fast 37.000 Menschen. (APA)

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