Kein Walzer für lesbisches Paar in Tirol

1. Juli 2004, 22:50
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Verweigerte Dienstleistung wegen sexueller Orientierung bleibt legal

Innsbruck - "Bei uns sind Paarkurse für Ehepaare und Paare", sagt Ferry Polay von der gleichnamigen Tanzschule und meint damit gemischt geschlechtliche Paare. Daher hätte auch eine Mitarbeiterin die Anmeldung eines lesbischen Paares für einen Paarkurs abgelehnt. Am Tag nachdem die Tiroler Tageszeitung über den Fall berichtet hat und SPÖ und Grüne von "diskriminierender Praxis" und "Verletzung der menschlichen Würde" gesprochen haben, spricht Polay von einem Missverständnis. Hätten sich die beiden Frauen für einen Singlekurs angemeldet, gebe es überhaupt kein Problem, erklärt Polay dem STANDARD. Schon bisher hätten bei Singlekursen öfters Frauen miteinander getanzt und niemand etwas dagegen gehabt. Im Herbst will Polay nun seine KundInnen bei den Paarkursen befragen, ob sie gleichgeschlechtliche TeilnehmerInnen akzeptieren würden, und überhaupt werde er "in eine Ecke gestellt, in der ich nicht bin".

Kurt Krickler, Generalsekretär der Hosi Wien bedauert, dass der Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare von einem Tanzkurs auch mit dem am Donnerstag in Kraft getretenen Gleichbehandlungsgesetz weiterhin straflos möglich sei. Strafbar sind nun die Verweigerung von Dienstleistungen aus ethnischen Motiven. Ein Restaurant, das die sexuelle Orientierung von Gästen zum Kriterien macht, ob es ein Schnitzel serviert, kann dies hierzulande auch künftig tun.

Die österreichische Regierung hätte nur die Minimalvariante der EU-Richtlinie umgesetzt, erklärt Krickler. Einige Länder hätten die Forderung nach einem einheitlichen Schutzniveau vor Diskriminierung allerdings von sich aus erfüllt. (hs, DER STANDARD, Print, 2.7.2004)

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