Oppositionspolitiker in Hungerstreik getreten

4. Juli 2004, 19:53
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70 Mitgliedern der Oppositionspartei Volkskongress protestieren gegen Inhaftierung ohne Anklage

Khartum - Der sudanesische Oppositionspolitiker Hassan Turabi ist nach Angaben seiner Ehefrau vom Donnerstag in einen Hungerstreik getreten. Mit ihm verweigerten seit Mittwoch 70 Parteimitglieder die Nahrungsaufnahme. Sie protestierten damit gegen ihre seit drei Monaten andauernde Inhaftierung ohne Anklageerhebung. Die sudanesischen Behörden werfen dem islamistischen Oppositionspolitiker offiziell Verschwörung und Aufstachelung zum Hass gegen den Staat vor.

Er sowie weitere Politiker und Offiziere sollen einen Putsch gegen Präsident Omar el Bashir geplant haben. Die Büros der Oppositionspartei Volkskongress wurden geschlossen.

Turabi und Bashir waren lange Zeit politische Weggefährten. Turabi galt als der Ideologe der fundamentalistischen Regierung, die errichtet wurde, nachdem Bashir 1989 in einem Putsch die Macht übernommen hatte. Ihre Wege trennten sich 1999, als Bashir den damaligen Parlamentspräsidenten Turabi entmachtete, weil er versucht haben soll, die Regierung zu übernehmen. 2001 wurde er unter Hausarrest gestellt, aus dem er erst im Oktober entlassen wurde. Nur einen Monat später warf die Regierung seiner Partei aber wieder vor, Unruhen in der Region Darfur zu schüren.

Turabis Frau Wisal al Mahdi sagte, es sei Zufall, dass der Beginn des Hungerstreiks mit dem Besuch von UNO-Generalsekretär Kofi Annan und US-Außenminister Colin Powell in Khartum zusammenfalle. Beide haben die sudanesische Regierung aufgefordert, den Konflikt in der Region Darfur zu beenden. Den seit 16 Monaten währenden Kämpfen fielen bisher bis zu 30.000 Menschen zum Opfer, mehr als eine Million Bewohner wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Menschenrechtsorganisationen machen vor allem arabische Milizen für die Angriffe verantwortlich und werfen der Regierung vor, diese zu unterstützen. (APA/AP)

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