Heiße Debatte um Strom aus Wasserkraft

2. Juli 2004, 23:25
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Die Pläne des Tiroler Stromversorgers Tiwag, im Ötztal ein Speicherkraftwerk zu errichten, rufen heftigen Widerstand hervor

Innsbruck - "Vorrang für die Nutzung von Wasserkraft", formulierte Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) als Conclusio einer von den Grünen initiierten Landtagsdebatte zum Thema "Erneuerbare Energien". Zuvor hatte Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle (VP), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Tiwag, dem Grünen-Klubobmann Georg Willi "Verdrehungen und Unterstellungen" vorgeworfen. Dessen Forderung auf Solar- und Biomasseanlagen zu setzen, hätte zur Konsequenz, dass (ohne deren Förderung) die Heizkosten für einen durchschnittlichen Haushalt um 40 Prozent und die Stromkosten um 138 Euro jährlich steigen würden.

Strombedarf

Weil sich diese Alternativenergien nur ausnahmsweise rechneten und zugleich der Strombedarf im Lande steige, führe am Ausbau der Wasserkraft kein Weg vorbei, so der Tenor von VP, SP und FP. "Lieber ein neues großes Kraftwerk, als in jeden Bach ein kleines reinhängen", brachte Hannes Gschwentner (SP) die Stimmung der Mehrheit auf den Punkt.

Projekt im Sulztal

Wie berichtet, hat der neue Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer für den Herbst einen "Optionenbericht" dazu angekündigt, in welchem Tal ein neues Großkraftwerk mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro entstehen soll. Vieles deutet darauf hin, dass ein 1998 schubladisiertes Projekt im Sulztal (einem Seitental des Ötztales) faktisch beschlossene Sache ist.

"Spitzenstrom" wird zur Gänze exportiert

Nur am Rande wurde in der Landtagsdebatte erwähnt, dass ein Speicherkraftwerk mit der Stromversorgung Tirols nur indirekt zu tun hat. Dieser "Spitzenstrom" wird faktisch zur Gänze exportiert, wofür die Tiwag die vier- bis siebenfache Menge an "Bandstrom" importiert. Dieser stammt überwiegend aus Atom- und kalorischen Kraftwerken stammt. Bei seinem Amtsantritt vor drei Monaten hatte Wallnöfer hervorgehoben, dass die Tiwag mit der Liberalisierung des Strommarktes zu einem "Global Player" geworden sei und ihren Strom unter anderem über die Börse in Leipzig verkaufe. Kritiker meinen, zusätzliche Kapazitäten im Sulztal lägen primär in einem betriebswirtschaftlichen Interesse der Tiwag. (Hannes Schlosser, DER STANDARD Printausgabe 2.7.2004)

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