Aufmüpfig am Badestrand

1. Juli 2004, 19:49
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Wiener Staatsopernballett auf der Klagenfurter Seebühne

Klagenfurt - "Minimundus-Dependance", "Micky-Maus-Festspiele"! - So oder ähnlich lauteten wenig schmeichelhafte Kommentare zu den "künstlerischen" Ergüssen der letzten Jahre auf der schwimmenden Freiluftarena mit dem noblen Charme eines schmucken Stahlwerks, neben dem Strandbad aller Strandbäder gelegen. Des Kulturreferenten liebstes Kind hatte mit höchst zweifelhaften Musicalaufführungen zu bestehen.

Häme und Spott mitsamt genüsslichen Fingerzeigen Richtung Bregenz begleiteten die letztklassigen Produktionen auf Schritt und Tritt. Mit dem neuen Intendanten Renato Zanella sollte nun alles anders werden: professionelles Management gepaart mit Kunstverständnis. Das Epos um den Sklavenaufstand im ersten vorchristlichen Jahrhundert dient als Vorlage zum Ballett Spartacus, das mit Aram Khatchaturians martialisch reißerischer, mitunter kitschiger Musik auf offenem Gewässer zur Entfaltung gelangt.

Das Wesentliche

Dem Ballettchef gelingt es vortrefflich, die Kulisse der malerischen Seeufer in das Handlungsgeschehen einzubinden, ein minimalistisch anmutendes Bühnenbild lenkt den Blick auf das Wesentliche, lediglich das riesig dimensionierte Kreuz als Symbol des gebrochenen Widerstands hebt sich deutlich von der nächtlich schemenhaften Landschaft ab.

Jeder Szene ihre spezielle Charakterisierung: Fühlt man sich bisweilen in Disneys märchenhaftes Fantasia versetzt, so folgt eine archaisch kriegerische Darstellung im Stile Hollywoodscher Gladiatorenkämpfe, durch aufwändige Kostümierung bereichert.

Ein prächtig disponiertes Ensemble nützt die Weite der breiten Bühne zum Ausdruckstanz der Extraklasse. Neben Maria Kousouni als Phrygia sowie Eno Peci als Spartacus und Giuseppe Picone als Crassus beeindruckt im besonderen Maße das stilsichere Kollektiv, dessen Bewegungsabläufe der über ein leistungsstarkes Soundequipment ertönenden Musik präzise entsprechen.

Wenn die nachfolgenden Produktionen dem vorgegebenen Niveau folgen können, dürfte der Kombination "Festspielstadt Klagenfurt" und Renato Zanella durchaus noch einiger Erfolg beschieden sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2004)

Von Bernhard Bayer
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